Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ziele und Wege der Schallanalyse. Zwei Vorträge
Person:
Sievers, Eduard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39644/11/
7] 
Ziele und Wege der Schallanalyse. 
Da steh ich nun, ich armer Tor% 
und hin so klug pis me zpvqr 
çûit leicht geballter Faust, die Hände etwa in Schulterhöhe und et^ra 
7Q cm voneinander entfernt haltend, einmal die Daumen locker e|n~ 
gescblagen, ein andermal sie ausschlagend und aufrichtend, und 
die Hände abwechselnd in der Form einer schräg liegenden Acht 
Und einer schräg liegenden Ellipse (dann nach links oder nach rechts 4 
kreisend) gegen einander bzw. voneinander bewegend (Fig. 27, 24, 
28)., und finde dabei, daß nur eine von all diesen Einstellungen 
und Bewegungen zum Text paßt, daß aber gerade diese Art gar nicht 
taugt für einen Text wie 
Oh sähst du y voller Mopdenschßin, 
zum letztenmal auf meine Pein. 
Hier darf man die Faust nicht ballen, vielmehr muß man etwa 
Daumen und Zeigefinger mit den Spitzen locker Zusammenlegen, 
die übrigen Finger (die vorher geschlossen waren), namentlich den 
kleinen, ein wenig abspreizen; die Bewegung muß 'linkskreisend* 
«ein (Fig. 65). Man spreche dann denselben Text einmal ohne die 
Spreizung der Finger, oder mit der Einstellung Und Bewegung des 
ersten Textes: sofort machen sich die Hemmungen bemerkbar. Auch 
der Ausgangspunkt der Bewegungen (der «Gestenpunkt») 
muß ein anderer sein (die Hände näher zusammen und näher 
am Körper). 
Man kann aus einem solchen einfachen Versuch zweierlei lernen, 
was von Bedeutung ist. Einmal, daß die Reaktionen bei den 
beiden Textstücken ganz verschieden ausfallen, daß also die beiden 
Stücke, obwohl sie von dem gleichen Verfasser stammen und nahe 
zusammengehören, doch wohl verschiedene innere Eigenschaften, sagen 
wir kurzerhand eine verschiedene innere Struktur haben 
müssen; und zweitens, daß auch scheinbar rein körperliche 
Vorgänge wie die Einstellung und Bewegung von Arm, Hhod, 
Finger die Klanggebung der Rede zwangsweise beeinflussen, indem 
sie teils befreiend, teils hemmend auf den Sprecher ein wirken, 
daß sie also offenbar auch als Hilfsmittel für die Analyse der 
verschiedenen Strukturen menschlicher Rede benutzt werden können. 
Für Theorie wie für Praxis ist dann dazu noch die weitere Erwägung 
im Auge zu behalten, daß der nicht reproduzierende, sondern im 
Augenblick aus sich heraus frei produzierende Mensch normaler¬ 
weise (d. h. wenn wir von sog. Sprachfehlern aller Art absehep) im 
hemmungslosen Typus spricht, daß also der Re prod u-
        

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