Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rhythmisch-melodische Studien. Vorträge und Aufsätze
Person:
Sievers, Eduard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39643/128/
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Zur älteren Judith. 
von den Denkmälern abweichen: Ansätze wie der streit || widir göti 
gémi 1, 2, èr reit || vérri Uni wêstir 2,5, (mir ni || wêrdt daz schôni 
wîb 7, a), db samt || ér ein éingil vom Mmili 12, 1 (dèr bunt |j iz 
der vröwin hi nidini 12, 2) mit zweisilbigem Auftakt (und z. T. 
schwebender Betonung) sind z. B. aus den angeführten Gründen 
ganz unmöglich. Um keinen Zweifel zu lassen, habe ich daher an 
Stellen, die an sich vielleicht eine verschiedene Auffassung gestatten, 
durch Akzente angedeutet, wie meiner Ansicht nach zu betonen ist. 
Über den Wortlaut einzelner Stellen s. unten Nr. 26 und 28. 
16. Vergleicht man nun die oben im Text ein¬ 
gerückten und mit Buchstaben statt mit Zahlen be- 
zeichneten Versgruppen (ich fasse sie im Folgenden unter 
der Sigle B zusammen) mit denen, die das Material zu 
der Nr. 1 ff. gegebenen Schilderung geliefert haben 
(Sigle A), so ergibt sich, wie schon Nr. 18 angedeutet , 
wurde, ein in einer ganzen Reihe von Punkten ab¬ 
weichendes Bild. 
17. Schon die Tonlage (vgl. Nr. 1) ist ein wenig 
verschieden, d. h. B liegt für den niederdeutschen Leser 
etwas höher, für den hochdeutschen etwas tiefer als A. 
Zur Kontrolle für die Tonsprünge von A zu B und 
umgekehrt empfiehlt es sich besonders, die Strophen , 
4, ' 4a und 5 nacheinander zu lesen, da es sich dort 
auf beiden Seiten um größere und geschlossenere Text-, 
massen handelt. 
18. Vielleicht noch deutlicher ist der Gegensatz 
bezüglich der Schlußkadenzen (Nr. 2). Sie sind in 
B für den Niederdeutschen • steigend, für den Hoch¬ 
deutschen fallend. Vgl. z. B. für stumpfen Ausgang 
(nach niederdeutscher Intonation) wi.rt du bru‘tlou.ft 
gita'n, || iz vrei.skint wi'b u.ndi ma'n 8, ab, oder si'n ist 
a.l der e.rtri'nc, || dinu a'bgot si.nt ein tru.gidi'nc 4a, gh, 
oder für klingenden da.z si wa'rin ni.di'c || undi ni.mi'nne 
gm.di'ch 1, ab. Ohne Rücksicht auf die Kadenz kann 
* 
man auch sagen: bei A liegen (immer nach dem nieder¬ 
deutschen System gerechnet) die Schlußsilben der Verse 
regelmäßig unter, bei B regelmäßig über dem [199] 
allgemeinen Niveau ihrer Zeilen. — Über die Tonver-
        

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