Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/95/
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Die allgemeinen ästhetischen Formprinzipien. 
dort so zu charakteristischen Bildungen sich verdichtet, zugleich 
auch in ihrer ursprünglichen Ungeschiedenheit bestehen bleibt. 
Dies wiederum kann heifsen: Sie bleibt mit selbständiger 
Bedeutung neben oder aufser den Gliedern; oder sie bleibt 
beim Prozesse der Verdichtung, als ein gegen die Glieder neu¬ 
trales Zwischen „stehen“; oder aber sie durchdringt die 
Glieder, derart, dafs die Glieder einerseits zwar heraustreten, 
andererseits doch wiederum in der Masse stecken bleiben und 
die Masse und die Glieder bestimmend, bezw. umgestaltend 
ineinander hineinwirken. 
Alle diese Möglichkeiten können wiederum in verschiedener 
Weise und in verschiedenen Graden sich verwirklichen. Vor 
allem aber ist zu betonen, dafs sie nicht sich ausschliefsende 
Gegensätze sind. Sie werden sogar überall in gewissem Grade 
gleichzeitig verwirklicht sein. Nur wird die eine oder die andere 
jedesmal dominieren, und dem Ganzen sein charakteristisches 
Gepräge geben. 
Welche dieser Weisen des bedeutsamen Heraustretens der 
Masse, d. h. der an sich ungeschiedenen Einheit des Ganzen 
aber verwirklicht oder vorzugsweise verwirklicht sein mag, in 
jedem Falle besteht ein allgemeines Prinzip des Gleichgewichtes 
der „Masse“ und der das Ganze in dieser oder jener Richtung 
und Hinsicht verdichtenden, aus der Masse heraustretenden 
Elemente. Dies Prinzip schlägt aber angesichts des Ganzen 
um in ein Prinzip der Herrschaft der Masse, d. h. der an sich 
ungeschiedenen Einheit des Ganzen. Die herrschenden Elemente 
herrschen, aber sie ordnen sich, indem sie dies tun, dieser 
Einheit unter. Sie müssen in ihrer Herrschaft dienen, nämlich 
dem Sinn und Gesetz des Ganzen. Sie dürfen herrschen und 
sollen herrschen, soweit sie diesem dienen. 
Beispiele. 
Bleiben wir aber noch einen Augenblick bei den vorhin be¬ 
sonders herausgehobenen Möglichkeiten. Erstens: — Die „Masse“, 
d. h. die ungeschiedene Einheit des Ganzen oder das Ganze 
als ungeschiedene Einheit, sein ungeschiedenes Grundwesen,
        

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