Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/92/
Fünftes Kapitel: Die monarchische Unterordnung und das ästhet. Ganze. 79 
haben, umsoweniger das gesamte Wesen des ästhetischen 
Objektes erschöpfen. Es wire also immer irgend welcher „Er¬ 
gänzung“ bedürfen. 
Aber auch, wenn nun andersgeartete herrschende Elemente 
eine solche Ergänzung üben, so braucht damit doch noch 
nicht das ganze Wesen des Objektes erschöpft zu sein. Vielleicht 
liegt es in der Natur des Ganzen, dais es dies gar nicht zu- 
läfst, sondern die „Masse“, aus welcher die herrschenden Ele¬ 
mente, nach dieser oder jener Richtung zusammenfassend und 
verdichtend, heraustreten, für eine Seite im Grundwesen des 
Ganzen der natürliche und spezifische Träger ist. Dann ist 
diese „Masse“ berufen, neben oder zwischen den herrschenden 
Elementen bedeutsam hervorzutreten; umsomehr, je mehr die 
herrschenden Elemente heraustreten, und je eigenartiger, also 
je einseitiger sie im Vergleich mit dem Grundwesen des 
Ganzen sind. 
Dabei ist unter der „Masse“ nichts anderes verstanden, als 
das Ganze, so wie es sich darstellt oder darstellen würde, wenn 
von den Elementen, die das Ganze in bestimmten Punkten in 
sich zusammenfassen und verdichten, abgesehen, oder solange 
das Ganze noch nicht durch solche Elemente monarchisch „ge¬ 
gliedert“ gedacht ist. 
Zugleich ist dabei zu bedenken, dals innerhalb eines Teiles 
des Ganzen als „Masse“ erscheinen kann, was für das Ganze 
nicht Masse, sondern Teil eines herrschenden Elementes ist; dafs 
ebenso ein Teil des Ganzen mit Rücksicht auf übergeordnete 
herrschende Glieder als Masse erscheinen kann, der selbst 
schon herrschendes Element niedrigerer Ordnung ist. Es ist 
demnach die „Masse“ ein relativer Begriff. 
So ist innerhalb des Wandpilasters der Pilasterschaft relativ 
„Masse“ im Vergleich zur Basis und zum Kapitäl; während für 
die Wand der ganze Pilaster herrschend heraustretendes und 
verdichtendes Element ist. Andererseits sind mit Rücksicht auf 
die betonten Elemente der rhythmischen Folge von Taktschlägen 
die unbetonten, ebenso mit Rücksicht auf die höher betonten 
die minder betonten „Masse“; was nicht hindert, dafs auch die 
unbetonten Elemente, und erst recht die schwach betonten, be-
        

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