Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/90/
Fünftes Kapitel: Die monarchische Unterordnung und das ästhet. Ganze. 77 
stehen, und Gegenstand höchster Befriedigung sein, ohne als 
Ganzes monarchisch verfafst zu sein. 
Wir sind, so erinnert man sich, in dieser ganzen Darlegung 
ausgegangen vom Prinzip der qualitativen Einheitlichkeit in 
der Mannigfaltigkeit. Dies war das fundamentale ästhetische 
Prinzip. Dazu trat das Prinzip der monarchischen Unterordnung 
als ein Hilfsprinzip, ein Prinzip der Steigerung der Einheit. 
Als solches nun müssen wir fortfahren, es zu betrachten. 
Die einzige unerläfsliche Bedingung für den Bestand eines 
ästhetischen Ganzen bleibt die qualitative Einheitlichkeit, 
das apperzeptiv heraushebbare Gemeinsame, das Grundgesetz, 
die Grundform, der Grundgedanke, der Grundrhythmus; und 
die Differenzierung. 
Dies besagt beispielsweise, dafs es recht wohl bei dem 
einfachen Gegenüber zweier im Ganzen herrschenden Elemente, 
die sich das Gleichgewicht halten, und zwischen denen das 
Ganze schwebt, bleiben kann, sofern jene qualitative Einheit¬ 
lichkeit dabei gewahrt bleibt. Es kann aber weiterhin, unter 
der gleichen Voraussetzung, das Ganze auch an viele herr¬ 
schende Elemente sozusagen verteilt erscheinen. Und jedesmal 
können dabei die verschiedenen herrschenden Elemente ein¬ 
ander durchaus koordiniert sein. 
Die qualitative Einheitlichkeit bleibt aber in solchen Fällen 
nicht nur gewahrt, sondern sie wird verstärkt, wenn in den 
herrschenden Elementen die Unterordnung unter das Gemein¬ 
same wiederkehrt. Diese Elemente erscheinen dann als die 
eigentlichen Träger des Gemeinsamen. Und es gelangt in ihnen, 
eben weil sie herrschende Elemente sind, das Gemeinsame, 
die Grundform, das Grundgesetz, der Grundrhythmus, der 
„Grundgedanke“ des Ganzen zu spezifischer und verstärkter 
Ausprägung. Gleichzeitig sind sie die obersten Träger der 
Differenzierung des Gemeinsamen. 
Man denke hier wiederum etwa an die mehreren einander 
gleichen oder relativ gleichwertigen Betonungen, die in der ein¬ 
heitlichen rhythmischen Reihe sich folgen, oder an die in gleichen 
Intervallen sich folgenden gleichen Türme einer Mauer, oder die 
vielen koordinierten Spitzen des gotischen Baues. Da und dort,
        

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