Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/602/
Achtes Kapitel: Der Humor. 
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Drei Stufen des Humors. 
Mit dieser Dreiteilung verbinden wir aber weiterhin eine 
andere Dreiteilung. Wir stellen einander jetzt gegenüber nicht 
mehr drei verschiedene Daseinsweisen des Humors, sondern 
drei verschiedene Stufen desselben. Wir bezeichnen sie gleich 
als den versöhnten, den entzweiten und den wiederversöhnten 
Humor. Der erstere ist der Humor im engeren Sinne, wir 
könnten sagen, der humoristische Humor. Den zweiten dürfen 
wir bezeichnen als den satirischen, den dritten als den ironischen 
Humor. 
Diese drei Stufen des Humors sind zunächst mögliche 
Stufen des Humors meiner Weltbetrachtung oder Weltauf¬ 
fassung. 
Ich verhalte mich erstlich der Welt gegenüber im engeren 
Sinne humoristisch, wenn ich das Kleine, Kleinliche, Lächer¬ 
liche in der Welt sehe, aber lachend mich darüber erhebe, 
wenn ich bei allem dem mir oder meines Glaubens an die 
Welt gewifs bleibe. 
Der Humor meiner Weltbetrachtung ist zweitens satirischer 
Humor, wenn ich das Lächerliche, Törichte, Verkehrte in seiner 
Niedrigkeit, Verkehrtheit erkenne, und mich, mein Bewufstsein 
von dem was gut ist und sein soll, dagegen stelle und im 
Gegensatz dazu behaupte. Solcher Gegensatz liegt im Sinne 
der „Satire“. 
Der Humor meiner Weltbetrachtung ist endlich ironischer 
Humor, wenn ich das Lächerliche, Törichte, Verkehrte nicht 
nur erkenne, sondern zugleich das Bewufstsein habe, dafs das¬ 
selbe sich selbst ad absurdum führe oder ad absurdum führen 
werde, dafs alles Nichtseinsollende letzten Endes dazu dienen 
müsse, um „Zeus zu amüsieren“. Hierbei ist als zugestanden 
vorausgesetzt, dafs die Selbstvernichtung des Nichtigen das 
Charakteristische der „Ironie“ ist. 
Damit ist zugleich auch schon deutlich geworden, welches 
der Gegensatz ist der im engeren Sinne humoristischen, und 
der satirischen, und endlich der ironischen Darstellung, d. h. 
nach oben Gesagtem, der Darstellung, die — nicht irgendwelchen
        

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