Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/558/
Viertes Kapitel: Arten des Erhabenen. 545 
erhaben scheinen kann, ohne dafs wir doch wissen, was aus 
diesem Keime werden wird, schliefst unendliche Möglichkeiten 
und unendliche Rätsel in sich. Auch das Kind ist so ein 
„grenzenlos“ Erhabenes. Auch die Erhabenheit des Kindes trägt 
darum jenes Moment der Sehnsucht in sich. 
Zugleich haben wir in dieser Erhabenheit des Kindes ein 
Beispiel für den vollen Gegensatz zu der „lauten“ Erhabenheit 
der intensiven, raschen, mächtigen, inhaltlich reich differenzierten 
Lebensbetätigung, und zu allem Gegensatz und Kampf und 
Streit der Lebensbetätigungen. 
Die „Formlosigkeit“ des Erhabenen. 
Das Erhabene ist auch allgemein bezeichnet worden als 
das Formlose oder Formwidrige. Das Erhabene zerbreche die 
Form. Hiermit kann wiederum nicht das gemeint sein, was 
damit gemeint scheint. Auch das Erhabene hat seine Form. 
Sein Inhalt ist in eine Form gegossen, so gut wie der alles 
Schönen. Nur ist dies eben die Form des Erhabenen, nicht 
die des anmutig Schönen; also nicht die Form des freien und 
ungehemmten Sichauslebens. 
Aber eben an diese Form dachte man offenbar, wenn man 
sagte, das Erhabene sei formwidrig. Und diese Form zersprengt 
das Erhabene in der Tat. Vor allem gilt dies vom gigantischen 
Himmelstürmenden und vom Erhabenen des inneren Kampfes 
und der Dissonanz. Und an diese war bei solchen Wendungen 
vor allem gedacht. 
Man kann aber auch das „Formlose“ noch in anderem 
Sinne nehmen, nämlich als das noch nicht Ausgestaltete, Diffe¬ 
renzierte, als das Einfache, das noch ungeschieden viele Mög¬ 
lichkeiten in sich trägt; dann ist die Nacht, das Meer, die Wüste 
„formlos“; und auch die Erhabenheit des Kindes kann alseine 
der Form entbehrende bezeichnet werden. 
Das Erhabene der gebundenen Kraft. 
Eine Art der Erhabenheit ist hier schliefslich noch zu er¬ 
wähnen, die zwischen der aktiven, ich meine der laut sich 
Lipps, Ästhetik I. 3. Äufl. ^5
        

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