Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/541/
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Die Modifikationen des Schönen. 
ich mich dem Klang hingebe und ihm folge. Dabei erlebe 
ich die Kraft unmittelbar als eine in dem Klang und im 
Fortgange desselben aufgewendete. Und ich erlebe sie nicht 
als eine willkürlich aufgewendete und auf den Klang gerichtete 
oder bezogene, sondern mein apperzeptives Tun, und die Kraft 
oder Anspannung desselben, ist durch den Klang gefordert, 
kommt aus ihm heraus, ist also seine Sache. Ich fühle mich 
durch den Klang kraftvoll erfafst und fortgenommen; es ist in 
ihm mein unmittelbar erlebtes Tun und die gefühlte Kraft dieses 
Tuns objektiviert. 
Und nun gewinnt das Tun und die Kraft des Tuns weiter¬ 
hin diesen oder jenen besonderen Charakter, je nach der Be¬ 
schaffenheit des Klanges. Die Kraft meines apperzeptiven Tuns, 
die ich in den Klang einfühle, ist zunächst nur einfach ge¬ 
steigerte Kraft; sie ist dann je nach der Beschaffenheit des 
Klanges, der zur Auffassung sich darbietet, eine Kraft, die 
rasch oder lebhaft sich auswirkt, oder eine Kraft, in der das 
Moment des Massenhaften, Voluminösen liegt u. s. w. 
Eigene Gröfse, und Erhabenheit des Objektes. 
Zunächst ist mir aber hier an einer allgemeinen, das Er¬ 
habene überhaupt betreffenden Einsicht gelegen. Ich betonte 
ehemals, und berührte vorhin von neuem, den obersten Gegen¬ 
satz im Inhalte des Schönen. Ich finde in dem Schönen ein 
Wollen und Tun oder ein Vermögen dazu, eine „Kraft“, oder 
ich finde ein ungehemmtes Sichausleben oder Sichbefriedigen. 
Das Sichausleben steht dem Wollen und Tun gegenüber als 
das Gelingen, Erreichen, Gewinnen; es besagt, dafs mir etwas 
zu Teil wird, dafs ich etwas habe, besitze, geniefse. 
Dieser Gegensatz nun gelangt in diesem Zusammenhang 
zu entscheidender Bedeutung. Was ich erreiche, gewinne, habe, 
geniefse, was mir zu Teil wird, beglückt mich, d. h. ich gewinne 
ein Gefühl der Lust an dem, was ich habe oder geniefse, ge¬ 
winne, erreiche, ich erlebe ein „gegenständliches Wertgefühl“. 
Diesem gegenständlichen Wertgefühl aber steht das Glücks¬ 
gefühl meiner eigenen Gröfse als etwas Anderes gegenüber.
        

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