Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/529/
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Die Modifikationen des Schönen. 
sich bewegt, oder mit dem oben schon gebrauchten Ausdruck, 
wie von einer breiten Welle, die langsam sich hebt, oder auch, 
wie von einem breiten und langsamen Schritte, den ich einen 
Menschen gehen sehe. Nun, der breite Schritt wird freilich natur- 
gemäfs langsamer geschehen. Aber die Langsamkeit liegt da¬ 
rum doch nicht in seiner Breite eingeschlossen, ünd breite 
Wellen bewegen sich nach physikalischen Gesetzen langsamer; 
aber eine raschere Bewegung derselben ist nicht undenkbar. 
Es ist aber auch in unserem Gefühl tatsächlich die „Masse“ 
nicht jederzeit an die „Langsamkeit“ oder Ruhe gebunden. Es 
kann ein Gefühl der Masse bestehen, ohne ein Gefühl der 
Langsamkeit. Dann hat selbstverständlich das Gefühl der 
Masse einen anderen Charakter, und wir werden es demgemäfs 
auch wohl mit einem anderen Namen bezeichnen. Aber damit 
ist die Gleichartigkeit des Charakters nicht aufgehoben. 
So liegt in der Klangfarbe mancher Klänge etwas Breites 
oder Massenhaftes, oder wie wir hier lieber sagen, etwas Volles. 
Aber damit braucht sich kein Gefühl des Ruhigen oder Lang¬ 
samen zu verbinden, das demjenigen, von dem die tiefen Töne 
begleitet sind, vergleichbar wäre. 
Endlich kann aber auch, soviel ich sehe, das Gefühl der 
Masse bestehen und damit nicht nur kein Gefühl der Lang¬ 
samkeit sich verbinden, sondern ein entgegengesetztes Geführt 
an die Stelle dieses letzteren treten. Ich habe ein Gefühl der 
Masse oder der Fülle auch angesichts des spektralen Rot, in 
anderer Weise angesichts des Dunkel- oder Blaurot. Aber ich 
habe bei dem Rot zugleich ein Gefühl des rasch Erregenden 
oder der lebhaften Bewegung. Es ist, als ob in einer breiten 
Masse im Einzelnen rasche Bewegungen sich abspielten. Damit 
steht das Rot dem Blau deutlich gegenüber, in welchem ich 
Masse finde, aber in ausgesprochener Weise verbunden mit 
Ruhe. 
Schliefslich ist zu bemerken: Wie das Gefühl der Ruhe 
oder Langsamkeit und der Raschheit, so verstehen wir auch 
das Gefühl der Voluminosität, bezw. des Gegenteils aus der 
Beschaffenheit der Tonempfindungsvorgänge. Wir sahen soeben, 
wir haben ein gleichartiges Gefühl der „Masse“ angesichts der
        

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