Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/526/
Erstes Kapitel: Qualitäten des Lustgefühls. 
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Und hier kann man nun nicht etwa sagen, dies liege daran, 
dafs ich mich bei der Wahrnehmung der Klänge erinnere, 
wie es mit ihnen bestellt zu sein pflege, wenn sie in bestimmter 
Raschheit sich folgen, d. h. wie rasch oder wie langsam sie sich 
folgen können, ohne ineinanderüberzufliefsen; Raschheit der 
Folge von Tönen und Gefahr des Ineinanderfliefsens bei zu 
grofser Raschheit ist eine Sache, die mit dem Charakter der 
Langsamkeit und Raschheit, der Ruhe und relativen Unruhe 
in den Tönen selbst ganz und gar nichts zu tun hat. 
Und gesetzt auch, diese Töne erschienen uns in sich selbst 
langsamer, weil es aus dem bezeichneten Grunde wünschens¬ 
wert erscheint oder üblich ist, dafs sie langsam sich folgen, so 
würde doch in keinem Falle dieser Charakter sich übertragen 
auf die Fälle, in denen Töne für sich gegeben sind, also die 
unmittelbare Erfahrung zu solcher sonderbaren Übertragung 
keinerlei Anlafs gibt. Ich hätte viel eher Grund, jetzt, wo die 
Gefahr des Ineinanderfliefsens ausgeschlossen ist, mir der 
Nichtexistenz derselben besonders deutlich bewufst zu werden. 
Psychojogischer Grund dieses Gefühls 
In Wahrheit habe ich, wie gesagt, den tiefen Tönen gegen¬ 
über ein eigentümliches Gefühl der Ruhe oder Langsamkeit. 
Dies heifst: Ich habe ihnen gegenüber ein Gefühl, das ich, in 
Ermangelung eines eigenen Namens, als Gefühl der Ruhe oder 
Langsamkeit bezeichne, weil ich ein Gefühl von gleicher Art in 
solchen Fällen zu gewinnen pflege, wo Ruhe oder Langsamkeit 
in der Bewegung eines sichtbaren Objektes oder in der quali¬ 
tativen Veränderung eines Gegenstandes von mir unmittelbar 
konstatiert werden kann. 
In solchen Fällen nun liegt dem Gefühl der Ruhe oder Lang¬ 
samkeit die tatsächliche Ruhe oder Langsamkeit zu Grunde. 
Dies läfst vermuten, dafs es sich bei dem gleichartigen Gefühl, 
das ich angesichts der tiefen Töne habe, ebenso verhalte. 
In der Tat müssen wir dies annehmen, obgleich die Be- 
wufstseinsinhalte, tiefe Töne genannt, nichts von Ruhe oder 
Langsamkeit in sich tragen. Aber die Bewufstseinsinhalte als 
Lipps, Ästhetik I. 3. flutl. 33
        

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