Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/523/
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Die Modifikationen des Schönen. 
keitsempfindung ist also Bedingung der Rotempfindung. Und 
auch hier wird, wenn die Helligkeit weiter und weiter wachst, 
das Rot nicht endlos gesteigert, sondern es wird schliefslich 
von der Helligkeit verschlungen. Höchste Helligkeit ist ebenso 
der Tod des Rot, wie volle Dunkelheit. 
Die bezeichnete Abhängigkeit zwischen dem Lust- und Un¬ 
lustgefühl einerseits, und dem Quantitätsgefühl andererseits, be¬ 
steht aber nicht nur tatsächlich, sondern wir begreifen auch, 
wie sie bestehen mufs. Der Grund derselben wurde schon 
früher bezeichnet. 
Im ersten Kapitel unseres ersten Abschnittes wurden, wie 
man sich erinnert, die allgemeinen Bedingungen der Lust 
und Unlust festgestellt. Erst die Bedingungen für diese gegen¬ 
sätzlichen Gefühlsqualitäten überhaupt. Daran schlofs sich dann 
die Frage nach den Bedingungen der Intensität dieser Gefühle. 
Und da ergab sich: Die Höhe der Lust sowohl als die der 
Unlust ist bedingt durch den Grad, in welchem das Objekt der 
Lust oder der Unlust mich „in Anspruch nimmt“. 
Genauer war der Sachverhalt dieser: Die Höhe der Lust, 
von welcher ein psychischer Vorgang, eine Empfindung, Wahr¬ 
nehmung, Vorstellung, begleitet erscheint, ist im Ganzen abhängig 
von den zwei Faktoren: einmal von dem Grade, in welchem 
die Seele ihrer Natur nach dem Vorgänge entgegenkommt, d. h. 
günstige Bedingungen des Vollzugs, der Auffassung, der Apper¬ 
zeption desselben in sich trägt; zum anderen von dem Grade, 
in welchem der Vorgang zu solcher Apperzeption sich darbietet. 
Der letztere Faktor nun ist identisch mit dem Grade der In¬ 
anspruchnahme, oder kurz, mit der Quantität oder psychischen 
Gröfse des Vorganges. 
Nun kann aber das Verhältnis dieser Falltoren in doppelter 
Richtung sich verschieben. Die eine Möglichkeit ist diese: Der 
Anspruch, den der Vorgang an die Apperzeption oder die Auf¬ 
fassungstätigkeit stellt, ist ein zu grofser, zu umfassender, oder 
zu heftiger im Vergleich mit dem Grade jenes Entgegenkommens 
oder jener Bereitschaft, dem Anspruch zu genügen. Dann ver¬ 
wandelt sich die Lust in Unlust. Oder aber es überwiegt die 
Bereitschaft. Es steht vermöge irgend welcher Gunst der Um-
        

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