Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/513/
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Farbe, Ton und Wort. 
eine Aussage eine Aussage ist, d. h., für die alle Sätze und 
Aussagen psychologisch und logisch gleichwertig sind. 
Kundgebende und objektiv berichtende Aussagen. 
Sätze, so versichern einige, dienen dem Ausdruck von 
Urteilen, da sie setzen vielleicht die Sätze oder Aussagen den 
Urteilen ohne weiteres gleich. Dies ist ein sonderbarer Irrtum. 
Sätze können freilich Ausdruck eines Urteils über eine Sache 
sein. Sie können aber ebensowohl unmittelbarer Ausdruck der 
Sache sein. Im letzteren Falle ist die „Sache“ jedesmal ein 
gegenwärtiges inneres Verhalten des Sprechenden. Jene Aus¬ 
sage ist objektiver Bericht, diese ist Kundgabe. 
Der Satz, der ein Naturereignis beschreibt oder darüber 
berichtet, ist der Ausdruck — nicht des Naturereignisses, 
sondern eines in dem Redenden stattfindenden Urteiles über 
dasselbe. Ebenso ist der Satz, der erzählt, dafs ein Mensch 
einen edlen Entschlufs gefafst habe, — weder Ausdruck des 
Menschen noch seines edlen Entschlusses, sondern er ist wiederum 
Ausdruck meines Urteils, d. h. meines wirklichen oder vermeint¬ 
lichen Wissens, dafs der Mensch den Entschlufs gefafst habe. 
Er ist, wenn ich in der Dichtung dergleichen erzähle, der Aus¬ 
druck des inneren Tuns, wodurch für mich dies Erzeugnis 
meiner dichterischen Phantasie zustande kommt, d. h., meines 
Vorstellens oder meiner Vorstellung. 
Und ebenso ist endlich auch die Mitteilung, dafs ich über 
eine Sache erstaunt war, nicht Ausdruck meines Erstaunens. 
Sondern sie ist Ausdruck meiner Erinnerung, oder meines 
Erinnerungsurteils, dafs dies Erstaunen in mir standfand. 
Dagegen ist umgekehrt die Mitteilung meines gegen¬ 
wärtigen Erstaunens in dem Satze: Ich bin erstaunt, nicht 
Ausdruck eines Urteils über das Erstaunen, noch Ausdruck 
meiner Vorstellung desselben, sondern Ausdruck dieses Er¬ 
staunens selbst. Ebenso sind Sätze, wie: Ich freue mich, 
ich will, ich glaube, Ausdruck eben dieser Freude, dieses 
Wollens, dieses Glaubens.
        

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