Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/498/
Fünftes Kapitel: Symbolik der Sprache. Akustische und formale Elemente. 485 
Bewufstsein, dafs das Wort das innerliche Erfassen eines Gegen¬ 
standes „meint“, d. h., dafs im Aussprechen desselben die Ten¬ 
denz oder Nötigung liegt, diesen Gegenstand innerlich zu er¬ 
fassen. 
Gehen wir nun hier gleich einen Schritt weiter. Das Kind 
überzeugt sich von einem Sachverhalt, d. h. es fällt ein Urteil. 
Zugleich hört es einen Satz. Hier vereinigt sich das Streben 
der Verlautbarung des inneren Erlebnisses, Urteil genannt, mit 
dem Streben, den Satz nachzusprechen, zu dem einen Streben 
der Verlautbarung des Urteils in dem Satze; oder wiederum 
richtiger gesagt, es bekommt jenes Streben in diesem seinen 
bestimmten Inhalt. Damit ist der Satz zu dem diesem Urteil 
zugehörigen Ausdruck, oder zur „Aussage“ geworden, und der 
Satz hat in diesem Urteil seinen zu ihm gehörigen „Sinn“ ge¬ 
wonnen. 
Sprachverständnis als Einfühlung. 
Dies verfolge ich nicht weiter. Das Gesagte genügt zur 
Erkenntnis dessen, worauf es hier ankommt. Und das ist dies, 
dafs sich in der Erlernung der Sprache an die Wahrnehmung 
eines Wortes oder Satzes unmittelbar die tatsächliche innere 
Erfassung des Gegenstandes, meine Wahrnehmung oder Vor¬ 
stellung desselben, bezw. mein tatsächliches Urteil bindet, 
nicht etwa die blofse Vorstellung, dafs der Gegenstand erfafst, 
bezw. dafs das Urteil gefällt werde. Das Wort oder der Satz, 
und meine tatsächliche Erfassung des Gegenstandes, bezw. mein 
reales Urteilen, werden zu einem einzigen, einheitlichen Erlebnis. 
Demgemäfs liegt in der Folge für mich jederzeit in gehörten 
Worten unmittelbar die tatsächliche innerliche Erfassung der 
dadurch bezeichneten Gegenstände. Es liegt ebenso in gehörten 
Sätzen das tatsächliche Urteil. Ich stelle mir, wenn ich ein 
Wort höre, nicht blofs vor, oder weifs, oder glaube zu wissen, 
dafs der Sprechende eine Sache innerlich gegenwärtig habe, 
oder sie vorstelle, sondern ich erlebe in dem Worte unmittelbar 
diesen inneren Akt. Und ich stelle mir, wenn ich einen Satz 
höre, nicht nur vor, oder weifs, oder glaube zu wissen, dafs da
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.