Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/47/
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Die allgemeinen ästhetischen Formprinzipien. 
Und die Seele ist diese Einheit in der Mehrheit jedem 
Mannigfaltigen gegenüber. Sie ist beides in Einem angesichts 
alles dessen, was sie auffassen soll. D. h. es liegt in ihrer 
Natur, jedes Mannigfaltige vollkommen einheitlich aufzufassen, 
und indem sie dies tut, nicht etwas anderes, sondern eben 
dies einheitlich Aufgefafste zugleich in gesonderte Akte der 
Apperzeption auseinandergehen zu lassen. Sie zielt darauf ab, 
in jenem einheitlichen Akte zugleich diese gesonderten Akte zu 
vollziehen. 
Dies können wir auch kurz so ausdrücken: Die Seele ist 
eine gegliederte, d. h. natürlicherweise in ihrem Tun sich 
gliedernde oder differenzierende Einheit. Die Auffassungs¬ 
weise, die ihr natürlich ist, ist also — nicht die einheitliche 
Auffassung schlechtweg, sondern die gliedernde oder differen¬ 
zierende. Diese schliefst beides zumal in sich, die vollkommene 
Einheit und die klare Besonderung. 
Ästhetische Einheit in der Mannigfaltigkeit. 
Damit nun erhebt sich die Frage des Lustgefühls von neuem. 
Sie lautet: Wann entspricht ein Mannigfaltiges dieser der Seele 
natürlichen Auffassungsweise? 
Offenbar hat das Mannigfaltige, um derselben zu ent¬ 
sprechen, nicht mehr einer einfachen, sondern einer dreifachen 
Forderung zu genügen. Es mul's einmal, seiner eigenen Natur 
zufolge, zur vollen Einheitsapperzeption sich darbieten. Und es 
mufs andererseits, seiner eigenen Beschaffenheit gemäfs, zu 
einer völlig klaren Sonderung auffordern. Und es mufs dies 
Beides tun in Einem. D. h. eben dasjenige, was zu jener 
Einheitsapperzeption sich darbietet, mufs zugleich diese Auf¬ 
forderung zur klaren Sonderung in sich tragen. 
Dieser dreifachen Forderung nun genügt das Mannigfaltige, 
wenn es — nicht ein beliebiges einheitliches Mannigfaltige oder 
mannigfaltiges Einheitliche ist, sondern wenn es in sich selbst 
ein gegliedertes qualitativ Einheitliches oder qualitativ Iden¬ 
tisches ist.
        

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