Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/468/
Drittes Kapitel: Konsonanz und Dissonanz. 
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erlaubt uns aber, die Übereinstimmung, welche dem Konsonanz¬ 
gefühl zu Grunde liegen mufs, sogleich genauer zu bestimmen. 
Das Konsonanzgefühl ist nicht ein beliebiges Gefühl der „Über¬ 
einstimmung“, sondern es ist ein Gefühl der lustvollen inneren 
Einheitlichkeit oder Einstimmigkeit, der inneren oder quali¬ 
tativen Zusammengehörigkeit. 
Ein solches nun entsteht, wie wir wissen, — nicht, wenn 
zwischen Erlebnissen irgend welche Gleichartigkeit statt¬ 
findet, sondern wenn dieselben ein Gemeinsames haben, und 
dieses Gemeinsame in ihnen nach verschiedenen Richtungen 
auseinandergeht oder in verschiedener und schliefslich gegen¬ 
sätzlicher Weise sich differenziert. Dafür sind uns im Bisherigen 
genügend zahlreiche Beispiele begegnet. 
Darnach müssen wir auch in unserem Falle ein solches 
Gemeinsames und eine solche Differenzierung eines Gemein¬ 
samen statuieren. 
Genauere Bestimmung. 
Reden wir aber genauer. Ich behaupte hier, wie man 
sieht, zunächst, dafs das Konsonanzgefühl jenem Gefühl der Ein¬ 
stimmigkeit, der inneren oder qualitativen Einheitlichkeit oder 
Zusammengehörigkeit, wie es sonst aus der Differenzierung 
eines Gemeinsamen, und nur daraus sich ergibt, gleichartig sei. 
An dieser Gleichartigkeit nun kann niemand zweifeln. Nächster 
Verwandter des Konsonanzgefühls ist das Gefühl der inneren 
Einstimmigkeit, das wir haben angesichts des wechselnden, 
aber durch einen gemeinsamen Grundrhythmus zusammen¬ 
geschlossenen Rhythmus im Grofsen, z. B. angesichts des 
Rhythmus einer Folge von Trommelschlägen oder von Tönen, 
der im Einzelnen jetzt so jetzt so differenziert oder gegliedert 
erscheint, zugleich aber in seiner Grundform derselbe bleibt 
Ebenso ist dem Konsonanzgefühl unmittelbar verwandt das Ge¬ 
fühl der Einstimmigkeit der Teile eines Bauwerkes, die ver¬ 
schiedene Formen zeigen^ aber demselben architektonischen 
Gesetz ihrer Bildung gehorchen. 
Zum Überflufs sei aber noch besonders hingewiesen auf die
        

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