Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/467/
454 
Farbe, Ton und Wort. 
„hinüberklingen“. Ich sage „irgendwie“, da wir ja die frag¬ 
lichen seelischen Erregungen an sich, d. h. abgesehen von dem, 
was wir aus unseren Bewufstseinserlebnissen erschliefsen können, 
nicht kennen. 
Dabei ist doch wiederum das Wesentliche nicht dies, dafs 
die Schwingungsrhythmen selbst in den Empfindungsvorgängen 
erhalten bleiben, sondern wichtig ist nur, dafs die Verhält¬ 
nisse dieser Rhythmen in diesen psychischen Vorgängen weiter 
bestehen. 
Rhythmische Verwandtschaft der konsonanten Ton¬ 
empfindungen. 
Ich nenne diese Annahme „natürlich“, ln Wahrheit ist sie 
notwendig und zwar aus mancherlei Gründen. 
Erstlich: Konsonante Töne verschmelzen leichter mit¬ 
einander als dissonante, d. h. sie werden leichter als ein ein¬ 
ziger Klang gehört. Die Bedingung solcher Verschmelzung aber 
ist überall sonst die Gleichartigkeit. — Im übrigen wird von der 
Verschmelzung von Tönen zu Klängen weiter unten die Rede sein. 
Und zweitens: Die in höherem Grade konsonanten Töne, 
speziell die vollkommen konsonanten, also diejenigen, die sich 
verhalten wie Grundton und Oktave, werden, wenn sie nach¬ 
einander gegeben sind, leicht miteinander verwechselt. Auch 
dies pflegt zu geschehen bei dem, was gleichartig ist. 
Und damit hängt weiterhin das Dritte zusammen. Auch 
wenn wir einen Ton und seine Oktave nicht verwechseln, so ist 
doch die Oktave für unseren unmittelbaren Eindruck in gewisser 
Weise Dasselbe, wie der Grundton, nur eben in höherer Lage. 
Diesen Sachverhalt erkennen wir ausdrücklich an, indem wir 
die um eine Oktave von einander verschiedenen Töne mit 
gleichen Namen bezeichnen. 
Und dazu kommt endlich das Wichtigste, nämlich die Tat¬ 
sache des Konsonanzgefühles: Wir haben ein analoges Ge¬ 
fühl wie dieses Konsonanzgefühl in solchen Fällen, in welchen 
eine Übereinstimmung stattfindet. 
Der Vergleich des Konsonanzgefühls mit analogen Gefühle.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.