Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/429/
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Der Rhythmus. 
das System der zwei and zweimal zwei Hauptbetonungen sich 
potenzieren kann, indem die Hauptbetonungen wiederum in 
rhythmische Bewegungseinheiten auseinandergehen; sondern 
dazu tritt das Prinzip der Differenzierung von innen heraus. 
Und hierbei tritt wiederum das Prinzip der Dreiteilung in 
seine Rechte. Auch die elementaren Bewegungseinheiten und 
die rhythmischen Ganzen, und schliefslich die abgeschlossenen 
musikalischen Tonfolgen, schliefsen in sich die drei Momente: 
Anfang, Mitte und Ende; Basis oder Voraussetzung, selbst¬ 
ständigen Fortgang, und Einmünden in den Abschlufs. Und 
dieser selbständige Fortgang ist, wie beim akzentuierenden 
Rhythmus, zugleich ein inneres Tun, auf Grund jener Voraus¬ 
setzung, und mit diesem Abschlufs als Ziel; und er schliefst als 
solches bald mehr, bald minder eine Spannung in sich, das 
Werden einer Spannung und die Spannung selbst, den Gegen¬ 
satz und Konflikt. Und darin liegt der Kern des Ganzen. 
Und nun ist es weiter naturgemäfs, dafs dieser Kern zur 
selbständigen Anerkennung gelange. Eine solche kann schon 
die elementare Bewegungseinheit fordern. Dann gesellt sich 
in dieser zu den beiden Hauptbetonungen eine dritte, mittlere. 
Es entsteht der Satz aus drei Takteinheiten, ln höherem Grade 
aber ist zu solcher Forderung naturgemäfs das Ganze aus solchen 
Einheiten berechtigt. Indem dieselbe sich erfüllt, entsteht die 
Dreiheit von Vordersatz, Mittelsatz und Schiufssatz. Ein ein¬ 
fachster Fall ist hier der, dafs auf einen zwischen zwei Haupt¬ 
betonungen schwebenden Vordersatz ein Mittelsatz und Schlufs- 
satz, jeder mit zwei Hauptbetonungen folgt, also ein rhyth¬ 
misches Ganze aus drei elementaren Bewegungseinheiten sich 
aufbaut. Es hindert aber dann weiter nichts, dafs eine dieser 
rhythmischen Einheiten, indem sie sich potenziert, also zu einem 
Ganzen aus Einheiten wird, nicht in zwei, sondern in drei solche 
Einheiten auseinandergeht, also auch hier wiederum Anfang, 
Mitte und Ende sich gegenüberstehen. So treten zum Ganzen 
aus drei Einheiten Ganze aus fünf, sechs, sieben Einheiten u. s. w. 
Immer liegt doch hierbei der Gegensatz zweier Einheiten 
aus je zwei Hauptbetonungen als Ausgangspunkt der Ent¬ 
wickelung zu Grunde.
        

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