Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/413/
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Der Rhythmus. 
wegung in sich vereinigen und ins Gleichgewicht setzen, 
sondern nur die eine Seite eines solchen verkörpern. Die eine 
Seite fordert dann die andere. Irgendwelche Einseitigkeit ist 
aber allen jenen Halbversen eigen. Eben dies charakterisiert 
sie als „Halbverse“. Man erinnere sich insbesondere dessen, 
was über die beiden Hälften des Hexameters oben gesagt wurde. 
Es kommt hinzu, dafs die mit der geringeren Gröfse Hand 
in Hand gehende geringere Differenziertheit der „Halbverse“ 
auch eine geringere Möglichkeit einer verschiedenen Diffe¬ 
renzierung, also einer verschiedenen inneren Lebendigkeit eines 
Halbverses im Vergleich mit einem anderen, in sich schliefst. 
Damit gewinnt auch in ihrer Verbindung das Prinzip der 
Gleichartigkeit oder der qualitativen Einheitlichkeit ein 
höheres Recht. Dies Prinzip ist aber ein Prinzip der Zweizahl. 
Dagegen verbindet sich bei jenen „Versen“ mit der 
gröfseren Ausdehnung und Differenziertheit eine gröfsere Mannig¬ 
faltigkeit und Verschiedenartigkeit der Verse. Man denke vor 
allem an die unendliche Variabilität der Bewegung in den fünf- 
füfsigen Jamben. 
Und dies bedingt nun eine entsprechend gröfsere Freiheit 
in der Verbindung solcher Verse zu einem rhythmischen Ganzen. 
Es bedingt insbesondere die Möglichkeit der Verbindung nach 
dem Prinzip der Dreizahl und der Kombination derselben mit 
den Verbindungen zu zweien oder vieren. Es ergeben sich so 
Ganze aus 3, 4, 5, 6 u. s. w. „Versen“; wechselnde Gruppen von 
Versen, oder nach einem bestimmten Schema aufgebaute Strofen. 
Achtes Kapitel: Rhythmus und Reim. 
Funktion des Endreimes. 
Zum Versrhythmus tritt der Reim, als ein verwandtes und 
doch auch wiederum dazu gegensätzliches Element. Ich rede 
speziell vom Endreim. Das Charakteristische desselben haftet 
aber auch dem Stabreim und der Assonanz an.
        

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