Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/388/
Sechstes Kapitel: Entstehung des rhythmischen Ganzen. 375 
einigung der beiden Prinzipien nicht ein blofses Zueinanderhin- 
zutreten, sondern eine Wechselwirkung. Insbesondere ist durch 
das zweite das erste relativ aufgehoben. Jene vier Gruppen 
sind in ihrem inneren Wesen verändert. Die Hauptbetonungen 
sind nicht mehr gleichartig, und damit ist zugleich die Unter¬ 
ordnung verschoben. Die Elemente der ersten Gruppe sind 
zugleich der zweiten Hauptbetonung, und alle Elemente über¬ 
haupt sind schliefslich der abschliefsenden Betonung des Ganzen 
untergeordnet. Oder wenn wir auf die Bewegung achten: Die 
ersten Hauptbetonungen der beiden Hälften sind Ansätze zu 
Bewegungen; die zweiten Hauptbetonungen sind Punkte des 
Abschlusses. Die auf diese folgenden Elemente repräsentieren 
das Ausklingen der Bewegungen der beiden Hälften über die 
Abschlufsbetonung hinaus. Und die auf die Abschlufsbetonung 
der ersten Hälfte folgenden Elemente haben zugleich die Funk¬ 
tion, die Bewegung zur zweiten Hälfte hinüberzuleiten. Und 
in den auf die Abschlufsbetonung der zweiten Hälfte folgen¬ 
den Elementen klingt zugleich die einheitliche Bewegung des 
Ganzen aus. 
Dennoch tritt hier im Ganzen noch das Prinzip der Wieder¬ 
kehr des Gleichen anspruchsvoll heraus. Das Ganze erscheint 
relativ als Wiederholung, als ein zeitliches Aneinander. Es be¬ 
friedigt dadurch den elementaren rhythmischen Sinn, der 
in erster Linie auf die Weise des Fortganges achtet, und 
naturgemäfs darin sich gefällt, eine bestimmte Weise des 
Auf- und Abwogens der inneren Bewegung und ihrer suk¬ 
zessiven Gliederung ungestört weiter zu erleben, darin sich 
zu „wiegen“. Es genügt nicht völlig dem Bedürfnis nach einer 
in sich abgeschlossenen, zugleich innerlich lebendigen Be¬ 
wegung, nach einem in sich gefestigten und differenzierten 
inneren Tun. 
1st nun aber einmal in jenem rhythmischen Ganzen das 
innere Wesen der gleichen Gruppen in der bezeichneten Weise 
zu Gunsten der abgeschlossenen Bewegungseinheit verändert, so 
kann nun dies letztere Prinzip weiterwirken. Es kann die Ein¬ 
heit und Geschlossenheit eine vollkommenere werden, und 
demgemäfs die Tendenz der Wiederkehr des Gleichen in immer
        

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