Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/381/
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Der Rhythmus. 
sind vielmehr diesem Gegensatz schon mehrfach begegnet. 
Schon am Ende des zweiten Kapitels wurde darauf hin¬ 
gewiesen, dal's das rhythmische Ganze ein in sich abgeschlos¬ 
senes Tun sei, und dafs dies nicht bestehen könne ohne 
inneren Gegensatz,- ohne Spannung und Überwindung der 
Spannung. Dieser Gegensatz und diese Spannung nun ergibt 
sich nicht aus dem blofsen Zueinanderhinzutreten von Teilen 
nach dem Prinzip der qualitativen Einheitlichkeit, sondern aus 
der Differenzierung von innen heraus. Gegensatz und Span¬ 
nung setzen eine innere Einheit voraus. 
Und wir sahen weiter im vierten Kapitel: Die elementaren 
rhythmischen Bewegungseinheiten entstehen und ordnen sich 
zusammen einerseits nach dem Prinzip der Zweizahl und der 
potenzierten Zweizahl. Diesem Prinzip aber trat gegenüber 
das Prinzip der Differenzierung der in jedem abgeschlossenen 
Tun enthaltenen qualitativ verschiedenen Elemente: Anfang, 
Mitte und Ende. Das Prinzip dieser Differenzierung ist ein 
Prinzip der Dreizahl. 
Solche Differenzierung begegnete uns zuerst innerhalb der 
rhythmischen Bewegungseinheit. Wir sahen den Amphimacer 
von innen heraus sich dehnen und differenzieren, und dabei 
der Anfangs- und Schlufsbetonung eine mittlere Betonung mehr 
oder minder gleichwertig gegenübertreten. In ihr fafste sich 
der Fortgang zwischen Anfang und Ende relativ selbständig 
in einem Punkte zusammen. Und wir begegneten dem gleichen 
Prinzip bei der Verbindung der rhythmischen Bewegungsein¬ 
heiten. Dem Prinzip der Zweizahl trat auch hier gegenüber 
das Prinzip der Dreizahl. Es ergab sich der Gegensatz zwischen 
einer elementaren Bewegungseinheit, welche die Basis, und einer 
zweiten, welche die Spannung oder den Aufstieg zur Spannung, 
und einer dritten, welche die Lösung oder den Abstieg zum 
abschliefsenden Ruhepunkt in sich schliefst. 
Und diese Dreizahl wiederholte sich im potenzierten Ganzen, 
oder kombinierte sich mit der Zweizahl. 
ln allen diesen Fällen bleibt das Prinzip der Zweizahl be¬ 
stehen, soweit die „Folge“, und demgemäfs die Forderung der 
qualitativen Einheitlichkeit derselben herrscht Das Prinzip der
        

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