Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/376/
Fünftes Kapitel: Formen der rhythmischen Bewegung. 
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nung, von dem schon die Rede war. Solches Einklingen ist, 
wie oben gesagt, da es ein Fortgehen zur Spannung ist, natur- 
gemäfs ein Aufstieg, sowie das Ausklingen ein Herabsinken. 
Dieses Einklingen hat vor allem Bedeutung als Fortgang 
zu der Betonung, die zur gesamten Bewegung einsetzt. Es 
ist ein Entstehen dieses Ansatzes und damit der Gesamt¬ 
bewegung aus der Ruhe heraus. Es ist also naturgemäß ein 
Entstehen aus der Tiefe. 
Freilich kann unter Umständen auch der Ansatz zur Be¬ 
wegung, und damit die Bewegung selbst, von der Höhe her 
einklingen. Aber dies ist nicht ein eigentliches Einklingen, 
ln dem Satz: „Es war ein König in Thule“, wird die Bewegung 
zu „König“ aufsteigen. Es könnte aber auch das Ganze in 
höherer Lage beginnen. 
Dann bestände in gewissem Grade die Neigung zu einer 
relativen Betonung des „Es“. Das „Es“ erschiene als eine Art 
von betontem Bewegungsansatz. Im übrigen würde unter der 
gemachten Voraussetzung die Bewegung doch nicht eigentlich 
mit dem „Es“ erst zu beginnen scheinen, sondern es wäre, 
als ob sie herausklänge aus einer bereits vorher vorhandenen 
Vorstellungsbewegung, als ob sie sich herauslöste aus Ge¬ 
danken, die in mir bereits bestanden. In diesen Gedanken lag 
eine innere Spannung. An dieser nimmt die mit dem Worte 
„Es“ beginnende Bewegung zunächst Teil. Die Spannung löst 
sich dann in gewisser Weise in dem Fortgange zu „König“. 
Der Drang der inneren Bewegung kommt in diesem bestimmten 
Bilde relativ zur Ruhe. Zugleich ist dieses Bild Ausgangspunkt 
für weiteres. 
Indessen dieser Sachverhalt liegt aufserhalb unserer gegen¬ 
wärtigen Betrachtung. Wir nehmen hier das rhythmische Ganze 
als etwas für sich Bestehendes und allseitig Abgeschlossenes, 
also nicht als etwas, das aus einer vorangehenden inneren Be¬ 
wegung hervorgeht. 
Eben darum hat auch die entgegengesetzte Möglichkeit, dafs 
im Abschlufs des rhythmischen Ganzen nicht ein Herabsinken, 
sondern eine Steigung der Stimme stattfindet, für uns hier 
keine Bedeutung. Es ist selbstverständlich, dafs es sich so
        

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