Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/374/
Fünftes Kapitel: Formen der rhythmischen Bewegung. 
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gegangen“; der Schwabe wird vielleicht diese Worte sprechen 
in der Form: 
Hier hat das Ausruhen seinen höchsten Grad erreicht. Das 
Gefühl angesichts des Wortes „Liebe“ ist im höchsten Mafse 
das Gefühl der ruhigen, in sich beschlossenen Sicherheit. Hier 
ist nicht der Abstieg, sondern die auch in der abschliefsenden 
Betonung noch liegende Tendenz des Fortganges, nämlich des 
Fortganges zu den folgenden unbetonten Silben, aufgehalten 
oder durch das Verweilen unterbrochen. Die Folge ist, dal's 
diese Tendenz nachher verstärkt hervorbricht. Es tritt also 
hier in den Abstieg eine Art von gleitendem Abstieg hinein. 
Dieser Sachverhalt kann nicht verwundern, da offenbar der 
springende Abstieg nichts anderes ist, als ein Hinzutreten der 
Bedingung des gleitenden Aufstiegs in den Abstieg. Der glei¬ 
tende Aufstieg und der springende Abstieg, beide haben ja 
ihren Grund in dem Verweilen oder dem Ausruhen auf einer 
betonten Silbe. 
Abklingen und Auskiingen. 
Bei dem gleitenden Abstieg ist, so sage ich, das Absteigen, 
oder der Fortgang zum abschliefsenden Ruhepunkt, in dem 
Worte, in welchem die Stimme herabzusinken im Begriffe ist, 
aufgehalten. Es ist damit die gesamte, zum letzten Ende des 
Ganzen fortgehende Bewegung zurückgehalten. Sie ist zurück¬ 
gehalten in einem Punkte der Spannung. Diese Spannung ist 
zugleich ein Moment in der Gesamtbewegung. Die Gesamt¬ 
bewegung geht zu dem Punkte der Spannung fort. Sie scheint 
also die in ihr vorhandene Spannung gegen diesen Punkt hin 
sukzessive zu steigern. Die nachfolgenden, in die Tiefe sinken¬ 
den unbetonten oder minder betonten Silben sind dann ein 
Hinüberklingen der Gesamtbewegung über diesen Punkt der 
Spannung hinaus. Sie sind, genauer gesagt, ein „Abklingen“ 
derselben, wobei das „Abklingen“ zugleich an das Herabsinken 
in die Tiefe erinnern soll.
        

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