Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/359/
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Der Rhythmus. 
Strebens oder der Spannung, die enthalten liegt im Wunsch, 
im Befehl, in der Frage, in der Einführung eines neuen Inhaltes 
in die Vorstellungsbewegung; oder in der logischen oder apper- 
zeptiven Antithese. Diese Betonung wollen wir entsprechend 
der „absoluten“ Spannung, die „absolute“ Betonung nennen. 
In dieser drängt die Stimme naturgemäfs in die Höhe. 
Im Übrigen stehen sich zwei Funktionen der Betonung 
unmittelbar gegenüber. Die Betonung ist einmal Ansatz zu 
einer von ihr aus weitergehenden Bewegung. Sie trägt in sich 
einen Impuls oder ein Streben zu einer solchen Bewegung. Zu¬ 
gleich ist doch die Bewegung in der Betonung selbst zunächst 
zurückgehalten. In solchen Betonungen liegt die zweite der 
beiden oben unten chiedenen Arten der Spannung. Sofern eine 
Betonung diese Bedeutung besitzt, kommt ihr darnach wiederum 
eine der Stärke dieses Impulses oder Strebens entsprechende 
Höhe zu. 
Dieser zweiten möglichen Bedeutung der Betonung nun 
steht unmittelbar gegenüber die dritte: Die Betonung ist oder 
bezeichnet das kraftvolle Erfassen des Zieles, in welchem die 
Tendenz der Vorwärtsbewegung sich befriedigt In solcher 
Betonung sinkt die Stimme. 
Einzelne Worte und Wortverbindungen. 
Die Betonungen, von denen ich hier rede, sind Betonungen 
von Silben. Darum meint die Be'tonung doch nicht lediglich 
die eine Silbe, sondern sie meint ein Wort oder eine Wort¬ 
verbindung. Die Sprache hat nun einmal innerhalb der Worte 
gewisse Silben herausgegriffen, und zu Herrschern über die 
anderen gemacht, oder ihnen die anderen untergeordnet. Sie 
hat die Wortfüfse geschaffen, d. h. Einheiten, die in einer 
einzigen Silbe apperzeptiv sich zusammenfassen. Dies hat 
sie nicht willkürlich getan, sondern auf Grund jenes Bedürf¬ 
nisses, eine zeitliche Folge von Elementen nicht nur überhaupt 
zu einer Einheit zusammenzufassen, sondern auch in einem 
einzigen Punkte zusammenzuschliefsen, kurz, aus dem Be¬ 
dürfnis der monarchischen Unterordnung heraus. Worte bilden,
        

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