Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/317/
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Der Rhythmus. 
zum dominierenden Element der Einheit. Es wird damit in 
gewissem Grade zum Repräsentanten des Ganzen. Das Ganze 
fal'st sich in ihm zusammen. Das andere, unbetonte Element 
ist ein dazu gehöriges; ein Vorschlag oder ein Nachklang, ein 
Einklang oder Ausklang. 
Hiermit nun ist erst das eigentliche Wesen der Betonung 
bezeichnet. Das betonte Element ist das die Einheit aus meh¬ 
reren Elementen Beherrschende, in sich Zusammenfassende und 
Verdichtende, es ist das Gravitationszentrum, der Gipfelpunkt 
einer einheitlichen apperzeptiven Welle, zu der mehrere Wellen 
sich zusammengeschlossen haben. Es ist vergleichbar der 
beherrschenden Höhe einer einheitlichen Gebirgsmasse, nach 
welcher andere, untergeordnete Höhen hintendieren. Zu solchem 
Gipfelpunkt wird ein Element einer rhythmischen Einheit, wenn 
es objektiv betont, d. h. lauter ist. Es wird dazu eben um 
seiner Lautheit willen. 
Trochäische Gliederung. 
Indessen für uns handelt es sich zunächst nicht darum, 
welches der Elemente einer Reihe in einem gegebenen Falle 
aus objektiven Gründen als Gipfelpunkt der einheitlichen 
Welle, oder als das die Einheit aus mehreren Elementen be¬ 
herrschende Element erscheint, sondern welches Element wir 
natürlicherweise, d. h. aus uns heraus, abgesehen von 
der Nötigung, welche die objektive Betontheit in sich schliefst, 
zum herrschenden Elemente zu machen geneigt sind, und 
nach psychologischen Gesetzen geneigt sein müssen; welches 
Element innerhalb einer Reihe, und insbesondere einer Reihe 
aus zwei Elementen, nicht der tatsächliche, sondern der ge¬ 
borene „Herrscher“ dieser Einheit ist. 
Darauf nun mufs die Antwort lauten: Diese Stellung 
kommt in der Einheit aus mehreren, also auch in der Einheit 
aus zwei Elementen zunächst dem ersten Elemente zu. Das 
erste von zwei Elementen ist — das erste. Es hat das Recht der 
Priorität. Es ist dies dasselbe Recht der Priorität, um das es 
sich auch bei wissenschaftlichen Prioritätsstreitigkeiten handelt;
        

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