Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/275/
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Raumästhetik. 
Und die Stilisierung kann andererseits dasjenige an einem 
Individuum herausnehmen, was an ihm das Gattungsmäßige 
und gattungsmäfsig Wesentliche ist, und verzichten auf das 
Eigenartige und eigenartig Charakteristische in diesem einzelnen 
Individuum. Diese Stilisierung soll generalisierende heifsen. 
Das fierausheben des Gattungsmäfsigen kann aber wiederum 
Verschiedenes bedeuten. Einmal kann die „Gattung“ enger oder 
weiter genommen sein. Ein menschliches Individuum gehört 
etwa zur Gattung der Bauern oder der Kavaliere. In jedem 
Falle gehört es zugleich zur Gattung „Mensch“. Und es kann 
demgemäfs bei der Darstellung des Individuums das Wesent¬ 
liche jener engeren oder dieser weiteren Gattung betont oder 
hervorgehoben werden, de nachdem wird in dieser oder jener 
Richtung stilisiert. Und es kann wiederum bei jeder dieser 
„Gattungen“ dieses oder jenes zum Wesentlichen gemacht 
werden. 
Auch innerhalb der Gattung aber kann wiederum indi¬ 
vidualisierend das für diese Gattung Charakteristische, das 
Eigenartige oder „Eigenwillige“ derselben, betont, oder es kann 
generalisierend das ihr mit andern Gattungen Gemeinsame 
herausgehoben oder herausgenommen werden. 
Generalisierende Stilisierung. 
Hier nun handelt es sich um die generalisierende Stilisierung 
der Formen. Sie bringt zunächst die allgemeinen Bildungs¬ 
gesetze der Formen einer Gattung zur selbständigen Anschauung. 
Erst der engeren, dann der weiteren Gattung. Sie besteht in 
der selbständigen Veranschaulichung der Gewohnheiten oder 
eines allgemeinen Bildungsgesetzes der Formen einer Gattung, 
mit Ausscheidung der Zufälligkeiten im Einzelnen. 
Da die von dem allgemeinen Bildungsgesetz abweichenden, 
oder im Rahmen desselben sich entfaltenden Zufälligkeiten des 
einzelnen Individuums begründet sind im allgemeinen Natur- 
zusammenhang und seinem mannigfachen Spiel der Kräfte, 
und innerhalb dieses Naturzusammenhanges unvermeidlich 
sind, so hat solche Stilisierung zugleich zur Voraussetzung
        

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