Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/193/
180 Oer Mensch und die Naturdinge. 
•• >hi aber die notwendige psychologische Wirkung derselben 
ist im Vorstehenden bezeichnet. 
Diese Wirkung besteht allgemein in der Erzeugung von 
Aktivitäts- und Passivitätsgefühlen, die an das kausal Ver¬ 
knüpfte gebunden erscheinen. Dadurch wird die Ursache zu 
einem „Wirkenden“, d. h. nach Verwirklichung eines Zieles 
„Strebenden“, und in dei Verwirklichung desselben „Tätigen“ 
oder Aktiven. Es wird die Verwirklichung des Zieles zu einem 
„Tun“ der Ursache. Dasjenige, was „durch“ die Ursache oder 
die „Wirkung“ derselben eine Veränderung erfährt, „erleidet“ 
dieselbe, unterliegt einer „Nötigung“, einem „Zwang“, kurz es 
verhält sich „passiv“. 
Alles dies besagt, wenn wir von der Einfühlung absehen, 
nichts anderes, als dafs ich durch das Dasein der Ursache, ge¬ 
nauer gesagt, durch mein Wissen davon, mich genötigt fühle, 
die „Wirkung“ eintretend zu denken. Überall aber vollzieht 
sich hier die Einfühlung mit psychologischer Notwendigkeit. 
Indem ich die Nötigung, die ich in meinem Denken fühle, auf 
die Ursache beziehe, erscheint mir diese als das Nötigende, also 
aktiv Strebende und Tätige. Indem ich dieselbe Nötigung auf 
das Objekt beziehe, das durch die Ursache eine Veränderung 
erfährt, erscheint mir dies als genötigt. Da mein Denken überall 
in der Welt kausale Zusammenhänge schafft, so finden sich 
schliefslich in allem diese Strebungen, Nötigungen, Aktivitäten, 
Passivitäten, Arten des Tuns und Erleidens, samt den zu¬ 
gehörigen Kräften. 
Da diese Einfühlung unserer denkenden Betrachtung ent¬ 
stammt, so ist es nicht zu verwundern, wenn ihr Inhalt mit 
der Art der Betrachtung sich verändert. Auch das Fallen des 
Steines, von dem ich vorhin sprach, ist kausal bedingt. Zu¬ 
nächst nun erscheint mir dabei als Ursache einfach der Stein. 
Solange dies der Fall ist, bleibt es dabei, date der Stein von 
sich aus zu fallen strebt. Das Fallen ist sein freies Tun. 
Nun verselbständige ich aber in Gedanken die Kraft des Falles 
oder die Schwerkraft. Jetzt erscheint der Stein als durch die 
Schwerkraft genötigt, zu fallen. Überzeuge ich mich weiterhin, 
dafs die Erde Bedingung des Falles ist, so wird der Stein
        

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