Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/135/
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Der Mensch und die Nsturdinge 
erlebten Wirkung des Nachahmungstriebes besteht um sc ge¬ 
wisser. je intensiver sie ist. nur jene Identität Ich erlebe 
keine Zweiheit, sondern voile Einheit. 
Damit ist schon gesagt, dafs auch das „Nachmachen'* oder 
„Mitmachen“ bereits den Sinn verschiebt. Ich vollziehe in sol¬ 
cher „inneren Nachahmung“ -- nicht die Bewegungen, die der 
.Akrobat vollzieht, noch einmal, sondern ich vollziehe unmittel¬ 
bar, nämlich innerlich, oder „in meinen Gedanken“, die Be¬ 
wegungen des Akrobaten, Ich vollziehe die Bewegungen, 
soweit dieser „Vollzug der Bewegungen“ nicht ein äufseriiches, 
sondern ein inneres Tun ist, in dem Akrobaten selbst. Ich 
bin nach Aussage meines unmittelbaren Bewusstseins in ihm; 
ich bin also da oben. Ich bin dahin versetzt. Nicht neben 
den Akrobaten, sondern genau dahin, wo er sien befindet. 
Dies nun ist der volle Sinn der „Einfühlung“. 
Diese Einfühlung nannte ich die Innenseite der Nachahmung. 
Die tatsächliche Nachahmung, so können wir das Verhältnis 
auch bezeichnen, ist eine äufsere Wilienshandlung. Die Ein¬ 
fühlung dagegen ist ein Erleben der inneren Willenshand¬ 
lung, die darin sich „äufsert“. Dabei ist zu betonen, sie be¬ 
sieht im Erleben derselben. Ich stelle mir. wenn ich in den 
Akrobaten mich einfühle, nicht vor, dafs ich vorwärts oder rück¬ 
wärts u. s. w. strebe, sondern ich erlebe dieses Streben als ein 
unmittelbar in mir sich Abspielendes. Ich erlebe das Streben 
und das strebende Fortgehen von einer Bewegung zur anderen, 
oder von einem Momente einer Bewegung zum anderen. Ich 
erlebe das Wollen und das Festhalten des Woilens gegenüber 
den Hindernissen. Und ich erlebe das Sichbefriedigen des 
Woiiens, wenn eine Bewegung gelungen ist. Hierin besteht 
in diesem Falle die innere Wiüenshandiung oder das „innere 
Tun“, Die Realität desselben ist eine zweifellose Tatsache. 
Möglichkeit der reinen Einfühlung. 
Zu dieser inneren Willenshandlung kann die äufsere hinzu¬ 
treten. Jene kann aber auch für sich bleiben. In diesem Falle 
ist die Einfühlung rein gegeben.
        

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