Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/111/
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Der Mensch und die Naturdinge. 
nur versuchsweise, und lediglich in Gedanken, sich veru irkiichen 
lasse. Ich weifs, ich habe die Kraft, dies oder jenes zu tun, 
d. h., ich stelle mir vor, dafs ich es tue, und tue es in meinen 
Gedanken tatsächlich. Ich mache dazu in meinen Gedanken 
zum mindesten einen Ansatz. 
Doch bedarf jener allgemeine Satz, dafs ailes Tun lustvoi! 
sei, noch eines Zusatzes, der in gewisser Weise zugleich eine 
Einschränkung ist. Die Höhe der Lust, so sahen wir bei den 
„gegenständlichen Wertgefühlen“, ist bedingt durch den Grad, 
in welchem das Lustvoile mich in Anspruch nimmt. Das Objekt 
der Lust mufs eindrucksvoll sein, sein Erleben mufs Kraft haben, 
wenn die Lust Intensität gewinnen soll. (Jnd dazu trat das 
Andere: Auch die Mannigfaltigkeit, die Differenzierung, ist be¬ 
deutsam für die Höhe der Lust. 
Diese beiden Momente sind nun auch hier wesentlich. Auch 
das Selbstwertgefühl wächst mit der Kraft des Tuns oder der 
Höhe der inneren Aktivität, und es wächst mit dem Reichtum 
derselben. 
Grundbedingung der Lust am Gegenständlichen aber war 
uns die Einheit. Diese bestimmte sich zunächst als innere Über¬ 
einstimmung, und weiterhin als Zusammenschluß in einem 
Punkt. Entsprechend ist auch die Einstimmigkeit des Tuns in 
sich selbst, und die Zusammenfassung der inneren Aktivität in 
Einheitspunkten, die widerspruchslose Unterordnung ailes Tuns 
unter bestimmte einheitliche Ziele, Grundbedingung des Seibst- 
wertgefühls. 
Oder, wenn wir das hier Gesagte zusammenfassen: „Alles 
Selbstwertgefühl ist Lust an der Kraft, dem Reichtume oder 
der Weite, und an der inneren Freiheit meines Tuns. Dabei 
besagt die innere Freiheit nichts Anderes als jene Einstimmigkeit 
und Einheit meines Tuns in sich selbst. 
Das Tun, von dem ich hier rede, ist von mancherlei Art. 
Es ist etwa mein intellektuelles Tun. Ich freue mich der kraft¬ 
vollen Tätigkeit meines Denkens, des Vermögens, Vielerlei geistig 
zu umfassen. Ich fühle mich befriedigt in der Konzentriertheit 
der geistigen Arbeit im Zusainmengefafstsein derselben in einem 
Punkt oder Ziel.
        

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