Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst. Erster Teil: Grundlegung der Ästhetik
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39642/100/
Fünftes Kapitel : Die monarchische Unterordnung und das ästhet. Ganze. 
8/ 
Basis oder das durchgehende Einheitsmoment des Ganzen, das 
vorher bald nach dieser, bald nach jener Richtung einseitig 
differenziert und damit relativ negiert war, zur vollen Geltung 
gelangt. Dies „Einheitsmoment“ ist kein anderes, als eben die 
Tonica. Die Melodie ist eine Differenzierung dieses Gemein¬ 
samen oder dieses Einheitsmomentes. Sie ist die sukzessive 
Ausgestaltung des in der Tonica liegenden „Grundrhythmus'1 in 
ein mehr oder minder reich differenziertes System von „Ton¬ 
rhythmen“. 
Gegensatz künstlicher und natürlicher Hauptpunkte. 
Kehren wir jetzt noch einmal zurück zu dem Gegensatz 
verschiedener herrschender Elemente, insbesondere zu dem oben 
schon in doppelter Weise angedeuteten Gegensatz: — 
Der Rand der kreisförmig begrenzten Fläche, von der auf 
S. 61 f. die Rede war, verdankte dem Kontrast mit der Umgebung 
seine spezifische Fähigkeit, als Herrscher oder Schwerpunkt der 
Fläche sich zu gerieren. Die Mitte dagegen verdankte die 
gleichartige Fähigkeit einzig den besonders innigen Einheits¬ 
beziehungen mit den sonstigen Teilen der Fläche. Offenbar ist 
jene Herrschaft eine „despotischere“ als diese. Vermöge jenes 
Kontrastes zieht der Rand die Fläche zu sich hin und in sich 
hinein, ln die Mitte dagegen ergiefst sich die Fläche in höherem 
Grade von sich selbst aus. Sie tendiert durchaus aus sich 
selbst auf diesen Schwerpunkt. Sie gelangt darin im höchsten 
Mafse in sich selbst zur Ruhe. 
Und der hohe Berg zwischen niedrigen Hügeln war despo¬ 
tischer Herrscher im Vergleich mit dem höchsten Gipfel zwischen 
hohen Gipfeln. Auch dies lag an der Gröfse des Kontrastes, 
nämlich des Kontrastes zu den niedrigen Hügeln, also zu den 
sonstigen Elementen des Ganzen, in welchem er dominiert. 
Steigern wir nun diese letztere Möglichkeit. Ein Element 
trete mit dem sonstigen Ganzen in qualitativen Gegen¬ 
satz. Es setze sich zum Ganzen und zur Einheitlichkeit des 
Ganzen, oder zu dem im Ganzen liegenden Zuge, in einem 
Punkte sich zusammenzufassen und zur Ruhe zu kommen, in
        

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