Bauhaus-Universität Weimar

Weiteres zur »Einfühlung«. 
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meine ich, es ein für allemal unterlassen, Wertgefühl und Lust¬ 
gefühl, mag auch dies letztere auf einem Urteil beruhen, oder ein 
Urteil voraussetzen, einander gleichzustellen. 
Sondern Wert kann nur Psychisches haben. Und aller Wert 
eines Psychischen ist Wert einer innerlichen Selbstbetätigung oder 
Weise der Aktivität. Alles Wertgefühl entsteht, indem ich solche 
Aktivität erlebe, sei es idiopathisch oder sympathisch, aus meinen 
eigenen inneren Widerfahrnissen heraus geboren, oder durch die 
Wahrnehmung fremder Lebensäußerungen ins Dasein gerufen und 
darum »in einem andern« objektiviert. 
Dies Gefühl der Aktivität nennen wir Selbstgefühl. Das Ge¬ 
fühl der starken, reichen und freien, d. h. mit sich selbst einstim¬ 
migen Aktivität ist das positive Selbstgefühl oder das Selbstgefühl 
im prägnanten Sinne. Solches Selbstgefühl ist in sich lustgefärbt 
oder ist eine Art des Lustgefühls. Nicht irgendeine Art des¬ 
selben, sondern seine höchste Art. Alles positive Wertgefühl ist 
also entweder in mir selbst begründetes, oder objektiviertes posi¬ 
tives Selbstgefühl. 
Und derart ist nun insbesondere alles ästhetische Wertgefühl. 
Dasselbe entsteht, indem ich in einem sinnlichen Objekt mich 
selbst positiv betätige. Es ist Gefühl der Betätigung oder des 
Sichauswirkens meiner selbst in einem sinnlichen Objekt. Es 
besagt, daß ich meines Menschseins in dem sinnlichen Objekt 
oder in der betrachtenden Hingabe an dasselbe innewerde. Die 
Höhe des ästhetischen Wertes ist die Höhe dieses Innewerdens 
meines Menschseins, der Kraft, des Reichtums und der inneren 
Freiheit desselben. Der Genuß des schönen Objektes ist die Be¬ 
friedigung der in mir wohnenden Sehnsucht, irgendwie mich posi¬ 
tiv als Mensch zu fühlen. 
Endlich füge ich den vorstehenden Darlegungen noch zwei, die 
Einfühlung betreffende Bemerkungen hinzu. Die erste ist von 
entscheidender psychologischer und erkenntnistheoretischer 
Bedeutung. Alles Eingefühlte ist der Tendenz nach für mich ein 
empirisch Wirkliches. Und umgekehrt, alles Bewußtsein, daß es 
ein Psychisches außer mir gebe, mein Bewußtsein etwa, daß ein 
Gefühl der Freude in einem andern tatsächlich sich finde, ist seinem 
Ursprünge nach Einfühlung, oder ist Objektivierung eines durch 
eine fremde Lebensäußerung in mir geweckten eigenen Gefühles.
        

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