Bauhaus-Universität Weimar

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Th. Lipps, 
Weise der Beziehung der Lust. Dort fühleu wir sie als gegen¬ 
ständlich bestimmt, oder in der Natur des Gegenstandes begründet. 
Wir erleben sie als Lust an dem erfaßten Gegenstand. Hier 
dagegen kann ich die Lust fühlen als Lust an der Weise der 
inneren Tätigkeit oder Betätigung meiner selbst. Mit einem Wort : 
Die Lust ist dort Gegenstandswertgefühl, hier kann sie zum Selbst- 
wertgefühl oder, kürzer, zum Selbstgefühl werden. Welche Be¬ 
dingung noch erfüllt sein muß, wenn die Lust bewußterweise auf 
das Selbst bezogen sein soll, darüber wird weiter unten ein Wort 
zu sagen sein. 
Noch eine Möglichkeit der Lust scheint hierbei übersehen. Ich 
freue mich nicht nur an sinnlichen Gegenständen, und lege 
andererseits mir Wert bei, sondern ich freue mich auch über 
Psychisches außer mir. Aber dieses Psychische außer mir ist das 
objektivierte Psychische in mir, es ist in einem andern erlebte, 
oder in eine sinnliche Erscheinung eingefühlte eigene innere Tätig¬ 
keit oder Weise der Selbstbetätigung. 
Es ist also der Gegensatz zwischen Lust an sinnlichen Gegen¬ 
ständen und Selbstwertgefühl erschöpfend. D. h. es gibt keine 
dritte Möglichkeit der Lust »an« etwas. Nur müssen wir hinzu¬ 
fügen: Das Selbst ist entweder nur das eigene Selbst, oder ist 
das von mir unmittelbar erlebte Ich; oder aber es ist das objekti¬ 
vierte, in einem sinnlich Wahrgenommenen erlebte Ich oder Selbst. 
Es braucht wohl zum obigen nicht hinzugefügt zu werden, 
daß die Unterscheidung der »rezeptiven« und der »spontanen« 
Tätigkeit nicht gemeint ist als Unterscheidung zweier sich aus¬ 
schließender Möglichkeiten. Jede menschliche Tätigkeit ist bald 
mehr rezeptiv bald mehr »spontan« oder wählend. Die rein 
rezeptive Tätigkeit ist ein Idealfall. Es »kann« also auch jede 
Tätigkeit zum Selbstwertgefühl Anlaß geben. — Im übrigen sieht 
man leicht, daß im obigen eine wichtige Frage nur gestreift 
ist. Hier kommt es zunächst darauf an, daß auch die Lust an 
sinnlichen Gegenständen in einer Tätigkeit »wurzelt«. 
Unser obiger allgemeiner Satz lautete: Immer, wenn unsere 
Freude dadurch bedingt ist, daß wir wissen oder zu wissen glauben, 
das Erfreuliche finde wirklich oder tatsächlich statt, oder habe 
stattgefunden, oder werde stattfinden, so beruht die Freude in 
Wahrheit auf einem unmittelbaren Erleben, nämlich einer un-
        

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