Bauhaus-Universität Weimar

Weiteres zur »Einfühlung». 
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von besonderer Art sein muß, wenn das ästhetische Wohlgefallen 
zustande kommen soll. Mag die Verbindung sein, welche sie will. 
Wohl aber erhebt sich jetzt für uns die Frage, ob wirklich die 
Vorstellung eines erfreulichen Psychischen ohne weiteres selbst 
erfreulich sei? 
Darauf muß ich antworten, daß ich davon nichts weiß. Die Er¬ 
innerung an eine Freude, an irgendwelches lustvolle innere oder 
psychische Verhalten ist, soviel ich sehe, keineswegs ohne weiteres 
lustvoll. Ich kann mich ärgern darüber, daß ich mich freute. Ich 
kann beschämt sein darüber, daß ich stolz war. Ich kann mir vor¬ 
stellen und mir eine vollkommen »anschauliche« Vorstellung davon 
machen, daß eine läppische »Auszeichnung« in mir dasselbe Ge¬ 
fühl der befriedigten Eitelkeit wrnckte, wie es bei solcher Gelegen¬ 
heit in andern zu entstehen scheint, und kann dabei ein Gefühl 
der Selbstverachtung haben. 
Nur unter einer Voraussetzung allerdings ist für mich das vor¬ 
gestellte Psychische erfreulich, nämlich wenn ich es billige. Es 
ist unweigerlich unerfreulich, wenn ich es mißbillige. Und es ist 
in solchem Falle um so unerfreulicher, je »anschaulicher« ich 
es mir vorstelle. 
Daß ich aber eine vergangene Freude billige, dies heißt, daß 
ich mich jetzt wiederum freue, nicht über die vergangene Freude, 
sondern über eben das, worüber ich ehemals mich freute. Billige 
ich ehemaligen Stolz, Trotz, oder was es sonst sein mag, so fühle 
ich jetzt, indem ich mir den Gegenstand des Stolzes und Trotzes 
und die Situation, unter welcher ich stolz oder trotzig war, ver¬ 
gegenwärtige, sie innerlich wiederum ins Dasein rufe, auch wieder¬ 
um Stolz oder Trotz. Dies liegt im Sinne der Billigung. Die 
Billigung ist tatsächliche Einstimmigkeit meines gegenwärtigen 
Wesens und Verhaltens mit dem, was ich billige. 
Und ebenso muß ich nun auch das in einem andern vorge¬ 
stellte psychische Verhalten billigen, d. h. innerlich mitmachen, 
wenn es für mich lustvoll sein soll. 
Vielleicht nennt Witasek die Vorstellung hier jedesmal eine 
anschauliche. Nun, dann ist völlig klar: Witaseks anschauliche 
Vorstellungen eines Psychischen sind keine bloßen Vorstellungen, 
sondern Erlebnisse. Sind sie dies nicht, so sind sie nicht Gegen¬ 
stand der Lust. 
Archiv für Psychologie. IY. 
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