Bauhaus-Universität Weimar

88 
Drittes Kapitel. 
die moderne Psychologie und Ästhetik, auf einen ein¬ 
fachen psychologischen Ausdruck gebracht, indem er 
das ästhetische Gefallen von zwei Faktoren, einem 
direkten und einem associativen Faktor abhängig 
machte. Der Genuss eines Kunstwerkes wird damit 
zu einer Funktion zweier Variablen, der äusseren, durch 
die sinnfälligen Eigenschaften bestimmten Erscheinung 
und alles dessen, was unsere Erfahrung, unsere Ein- 
bildungskraft geschäftig hinzubringt4 4 (Külpe). 
Ich bin nun überzeugt, dass der „associative Fak¬ 
tor44 Fechners nicht ausreicht, um alles, was nicht den 
direkten, sinnlichen Faktoren angehört, zu umspannen. 
Jedenfalls können wir es aber als feststehend ansehen, 
dass in dem ästhetischen Eindruck ausser dem sinn¬ 
lich Gegebenen die Nachwirkung früherer Er¬ 
fahrungen von ungeheuerer Bedeutung ist. Damit 
haben wir es nun zu thun, wenn wir in diesem Kapitel 
von den „reproduktiven Faktoren44 reden. 
Ehe wir aber zu der eigentlichen Ausführung 
unseres Themas übergehen, stehen wir vor der Frage: 
wie haben wir uns die Nachwirkung früherer Er¬ 
fahrungen zu denken, um die es sich beim ästhe¬ 
tischen Gemessen handelt? Wir stossen damit wieder 
auf die grundlegenden psychologischen Unterschei¬ 
dungen, die wir im vorigen Kapitel angedeutet haben. 
Bei der Nachwirkung früherer Erfahrungen sind 
zwei verschiedenartige Fälle auseinanderzuhalten, die 
durch Beispiele illustriert werden mögen. Wenn ge¬ 
wisse Gegenstände für das Auge eine besondere Art 
des Glanzes oder der Färbung zeigen, so verbindet
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.