Bauhaus-Universität Weimar

Die sinnlichen Faktoren des ästhetischen Geniessens. 63 
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rück.“ — Ich halte mich in Übereinstimmung mit 
Lotze für berechtigt, neben der „geistigen Farbe“, 
die nach Fechner den reproduktiven Faktoren zuzu¬ 
rechnen ist und die ich anerkenne, auch der „eigen¬ 
tümlich kolorierenden Gewalt“ der an die ent¬ 
sprechenden sensorischen Faktoren gebundenen Gefühle 
Bedeutung beizulegen. 
Hach dem bisher Gesagten würde der Vorwurf einer 
ausschliesslichen Betonung der Organempfindungen und 
einer Auflösung der ästhetischen Gefühle in solche 
sensorische Faktoren die hier vertretene Ansicht 
keineswegs treffen. Ebensowenig denke ich daran, die 
Schönheit der optischen Form einseitig oder auch 
nur hauptsächlich auf allerlei angenehme Bewegungs-, 
Spannungs- und Gleichgewichtsempfindungen zurück¬ 
führen zu wollen. Ich nehme an, dass die optische 
Formenschönheit in erster Linie auf einer uns wohl- 
thuenden Bethätigung des Sehaktes beruht, gerade 
wie die Schönheit einer melodischen Tonfolge auf Ge¬ 
fühle hinweist, die sich unmittelbar an den Akt des 
Hörens anschliessen. Die Gründe dieses sinnlichen 
Wohlbehagens sind uns nicht näher bekannt, obwohl 
wir im allgemeinen vermuten können, dass sie mit 
der objektiven Regelmässigkeit Zusammenhängen, die 
sich bei sinnlich angenehmen Reizen nachweisen lässt. 
Ferner bin ich überzeugt, dass für den Eindruck der 
formalen Schönheit das Hinzutreten jener reproduk¬ 
tiven Faktoren unentbehrlich ist, die in der deutschen 
Ästhetik genugsam betont worden sind, und die viel¬ 
leicht in keiner gleich kurzen Schilderung vollendeter
        

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