Bauhaus-Universität Weimar

Die sinnlichen Faktoren des ästhetischen Geniessens. 51 
lichkeit, das also, was Lipps die ,,mechanische Inter¬ 
pretation“ genannt hat, ist von ihnen abhängig. Oder 
mit anderen Worten: nnsere Fähigkeit, die bloss durch 
das Auge wahrgenommene Grestalt in vollkommener 
Weise als materiellen Körper aufzufassen, beruht wesent¬ 
lich auf der Verwachsung des optisch Gregebenen mit 
der Nachwirkung von leiblichen Bewegungs-, Haltungs¬ 
und Grleichgewiclitsempfindungen. 
Von hier aus gelangen wir nun einen Schritt 
weiter. Bisher wurde nur von reproduktiven Fak¬ 
toren gesprochen, die mit dem sinnlichen Eindruck 
verwachsen. Soweit es sich hierum handelt, bewegen 
wir uns in einem Grebiete, das eigentlich mehr dem 
Kapitel über die reproduktiven als dem über die sen¬ 
sorischen Faktoren des ästhetischen Greniessens ange¬ 
hört. Nun müssen wir uns aber die Frage stellen, 
woher denn diese Synthese stammt. Wie kommt beim 
Erblicken bestimmter Formen das Anklingen bestimmter 
Haltungs- und Grleichgewiclitsempfindungen zu stände? 
_______ • • 
Nach dem Gresetz der Ähnlichkeit, wird man sagen; 
• • 
die Aste der Trauerweide zeigen die Haltung des Sich- 
hängen- und -gehenlassens, weil ihre Formen eine Ähn¬ 
lichkeit mit einer solchen Haltung unseres eigenen Or¬ 
ganismus besitzen, oder genauer ausgedrückt: weil mit 
dem optischen Bild unserer eigenen Leibeshaltung ge¬ 
wisse innere Empfindungen verknüpft sind, können 
diese Organempfindungen auch durch andere optische 
Formen von ähnlichem Charakter reproduziert werden. 
Diese Erklärung stösst aber auf Bedenken. Denn wir 
haben ja nur einen höchst unvollkommenen optischen 
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