Bauhaus-Universität Weimar

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Erstes Kapitel. 
müssen, auch nicht, weil wir es für nützlich halten 
sondern einfach, weil wir „Lust dazu haben“. Genau 
so verhält es sich beim ästhetischen Gemessen. 
Dieses freiwillige Eingehen nimmt häufig den 
Charakter einer freiwilligen Unter¬ 
ordnung an. Das spielende Kind muss sich, wo es 
sich um aus gebildete Spiele handelt, ganz von dem 
Zwang des Spiels und seiner Gesetze bestimmen lassen, 
aber es thut das freiwillig, weü 
das Spiel Freude 
macht. 
Es braucht ja nicht „mitzuthun“, wenn es 
keine Lust hat. Wie anders, wo es zur Unterordnung 
gezwungen wird! — Auch im ästhetischen Genuss 
stehen wir unter dem Banne des inhaltlich Gebotenen, 
unser Bewusstsein geht in hingebender Unterordnung 
auf alles ein 
) 
wir folgen folgsam dem Künstler „vom 
Himmel durch die Welt zur Hölle“ ; aber wir „brauchen“ 
es ja nicht zu thun, sondern wir thun es nur, weil es 
uns Freude macht. Dieses Verhalten (vgl. „Spiele der 
Tiere“ S. 332) hat Lipps neuerdings treffend durch 
folgende Sätze charakterisiert: „Der objektive That 
bestand, der an sich wohl fähig wäre, sich mir fühl- 
bar aufzuzwingen, zwingt sich mir freilich auf, und 
zwar nicht mit gleichem, sondern mit grösserem Erfolg 
als wenn ich ihm innerlich widerstrebe: er übt seine 
? 
Weise: ich bin 
? 
nötigende Wirkung in 
ganz im Banne seiner Wirkung. Aber der Zwang 
kann nicht fühlbarer Zwang sein, weil meine spontane 
Thätigkeit auf das gleiche Ziel gerichtet ist.“ („Ästhe¬ 
tische Einfühlung“ Ztsch. f. Psych, u. Phys. d. Sinnesorg. 
S. 422). — Man vergleiche das freiwillige Lesen
        

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