Bauhaus-Universität Weimar

258 
Schloss. 
halten, da mir das Büd von der „Enge“ hierfür nicht 
genügt, oder besser gesagt, da mir ein Auseinander- 
halten beider Eigentümlichkeiten geboten scheint. 
Diese monarchische Einrichtung des Bewusst¬ 
seins ist nun bei der Mannigfaltigkeit des ästhe¬ 
tisch G-eniessbaren von grosser Bedeutung. Külpe 
hat das in seinem Aufsatz „über den associativen 
Faktor“ treffend ausgeführt. „Da es sich nun“, sagt 
er, „bei den gefallenden oder missfallenden Objekten 
in der Natur und in der Kunst regelmässig um eine 
Vielheit von Bestandteilen handelt, so ist es als ein 
Grundgesetz ihrer ästhetischen Wirkung zu bezeichnen, 
dass das Interesse an ihnen ein einheitliches sei.“ „Eine 
solche Einheit ist ... . aber nur in der Form ohne 
Schaden für die Energie des ästhetischen Verhaltens 
möglich, dass alle Bestandteile einem einzigen Inter¬ 
esse, dem Hauptinteresse, im letzten Grunde dienen.“ 
Die künstlerische Darstellung bedeutet der Natur gegen¬ 
über immer eine Erleichterung unserer Konzentration 
auf dasjenige, was dem Künstler vorherrschend als 
wertvoll erschienen ist. 
Eben hieraus erklärt sich aber die ausserordent¬ 
liche Mannigfaltigkeit der ästhetischen Genüsse; denn 
jede Wirkungsmöglichkeit wird bei der geschilderten 
Eigentümlichkeit unseres Bewusstseins ein besonderes 
Gebiet erobern wollen, in dem sie die Monarchin ist. 
Man kann daher zunächst die thatsächliche Vielheit 
der Künste mit den Bedingungen der Aufmerk¬ 
samkeit in Zusammenhang bringen (vgl. meine „Ein¬ 
leitung“, S. 34 f.), obwohl die Entstehung dieser Viel-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.