Bauhaus-Universität Weimar

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Fünftes Kapitel. 
anderen Weg, nämlich den der Enquete, hat Yernon 
Lee eingeschlagen, doch sind die Ergebnisse dieser 
Umfrage noch nicht veröffentlicht.) Ferner würde es 
auch nicht ohne Interesse sein, näher auf die Er- 
s cheinung der ästhetischen Abstumpfung einzugehen, 
wobei es vorkommt, dass wir ein Kunstwerk, welches 
wir schon sehr oft gesehen haben, vollkommen in 
seinen Vorzügen würdigen können, ohne dass sich 
doch dieses kühlere Gemessen in ein eigentliches Ge¬ 
packtwerden verwandelte. Nach meiner Erfahrung 
lässt sich hier manchmal der Übergang zum inten¬ 
siveren Gemessen willkürlich durch Innervationen von 
imitatorischem Charakter erzeugen, wobei es freilich not¬ 
wendig ist, die Aufmerksamkeit möglichst fest an das 
Objekt gebunden zu halten, was vielleicht nicht jedem, 
der es versucht, glücken wird. Endlich würde die 
Frage der beim ästhetischen Miterleben hervortreten- 
den Gefühle eine genaue Erörterung verdienen. Die 
ästhetischen Emotionen sind sehr mannigfaltig, sodass 
die eigentlichen Gefühle des Miterlebens („sympathi¬ 
sche“ oder „Nachahmungsgefühle“) nur einen Teil der in 
Betracht kommenden Gemütsbewegungen ausmachen. 
Rötteken hat die übrigen Gefühle als reaktive den 
sympathischen gegenübergestellt; ähnlich verfährt Th. 
A. Meyer in seinem „Stilgesetz der Poesie“ (1901), 
das leider erst nach Drucklegung meiner im zweiten 
Kapitel gemachten Ausführungen über die Lesepoesie 
erschienen ist. Hier möchte ich nur betonen, dass ich 
die Gefühle des Miterlebens ebenso wie Lipps als 
reale Gefühle betrachte und immer betrachtet habe.
        

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