Bauhaus-Universität Weimar

Die innere Nachahmung. 
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Zauber der Tonbewegungen folgt, oder den Gehalt der 
poetischen Sprache vermittelt, so findet dabei jedesmal ein 
innerliches Nachconstruiren des äufserlich Gegebenen statt, 
und durch dieses innere Nachahmen wird die Ablösung und 
Einbildung des ästhetischen Scheines vollzogen. Dieses 
active Auftreten der Einbildungskraft hat auch Vischer er- 
« 
kannt, wenn er in seinen Schlufsbemerkungen über das 
Wesen der „Anschauung" sagt: „In Wahrheit ist die An¬ 
schauung schon so activ, dafs sie ein thätiges Ab¬ 
zeichnen des Gegenstandes und ein Hereinnehmen 
dieses Abbildes in das Innere des Anschauenden 
ist"*). 
Um es deutlicher zu machen, wie ein solches „inneres 
Nachahmen" zu denken ist, greife ich einige Beispiele aus 
den verschiedenen Arten des ästhetischen Genusses heraus. 
Wenn wir den zweiten Monolog Fausts hören und uns 
dabei der „Zaubergewalt" seiner Rede ganz hingeben, so ist 
es, als ob die Worte des Dichters nicht von aufsen an un¬ 
ser Ohr schlügen, sondern als ob sie aus unserer eigenen 
Brust ertönten. Wir nehmen sie nicht im gewöhnlichen 
Sinne als etwas Fremdes in uns auf, sondern wir lassen uns 
von ihnen tragen wie von einem gewaltigen Strom: jede 
Bewegung, jeder Wechsel der Gedanken, der Gefühle, der 
Leidenschaften wird von uns innerlich mitgemacht. 
*) Vis chers Aesthetik, II. 2. S. 324. Weiter unten nennt 
er dieses Abzeichnen auch ein „Nachbilden" und ein „sinnlich- 
unsinnlicbes W iederholen der Sinnesthätigkeit".
        

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