Bauhaus-Universität Weimar

Die Bemalung der Plastik. 
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Einflufs haben kann und 3) dafs diese Hemmung auch that- 
sächlich vorhanden ist. — Wenn daher das lebende Weib 
den meisten besser gefällt als das gemalte, so liegt der Grund 
einmal darin, dafs zu dem ästhetischen Wohlgefallen noch 
ein anderes, aufserästhetisches Gefallen hinzutritt — wie 
dies Schiller mit so grofser Zartheit angedeutet hat*) — 
und dann in der gleichfalls nicht rein ästhetischen Bewun¬ 
derung des unendlichen Reichthums, welcher dem Natur¬ 
schönen eigen ist und mit welchem die Kunst nicht wett¬ 
eifern kann, ohne ihre eigene Ohnmacht zu zeigen. Das 
reinere und intensivere ästhetische Wohlgefallen aber wird 
das Gemälde hervorrufen, weil hier die feste Körperform 
so wiedergegeben ist, dafs sie die coloristische Wirkung 
nicht hemmt, sondern ihr dient. 
Die unbefangene, unmittelbare Betrachtung eines 
blühenden Mädchens ist auf die Farbe concentrirt, und von 
dem plastischen Eindruck mufs dabei zum grofsen Theil 
abstrahirt werden. Erst durch eine willkürliche Richtungs¬ 
änderung der Aufmerksamkeit kann man das Verhältnifs 
umdrehen und die Form zum Herrschenden erheben. Da- 
*) „Ueber die ästhetische Erziehung des Menschen“. 26. 
Brief: „Eine lebende Schönheit wird uns freilich eben so gut 
und noch ein wenig besser als eine eben so schöne blofs gemalte 
gefallen ; aber, insoweit sie uns besser gefällt als die letztere, ge¬ 
fällt sie nicht mehr als selbständiger Schein, gefällt 
sie nicht mehr dem reinen ästhetischen Gefühl“.
        

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