Bauhaus-Universität Weimar

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Die Bemalung der Plastik. 
auftreten, dafs man den Herrscher nicht mehr recht heraus¬ 
finden kann. 
Ich sage das an dieser Stelle defshalb, weil ich hier 
von dem Nebeneinanderwirken zweier ästhetischer Höhen¬ 
punkte, von der Verbindung fester Körperformen 
mit Farben- bzw. Licht Wirkungen sprechen will. Man 
hat darüber sehr viel gestritten, besonders in Beziehung 
auf die Bemalung der Plastik. Ich will meine Ansicht 
erst ganz allgemein aus der Eigenart des ästhetischen 
Scheines herleiten, ehe ich diese besondere Frage berühre. 
Zunächst ist es klar, dafs die Ein-bildung der farbigen 
Form schon eine Beschränkung und Abstraction enthält, 
wie sie dem Wesen des ästhetischen Scheines entspricht. 
Auch wenn ich mich dem Ablösen der Farbe und der Form 
zugleich hingebe, kann ich mich ästhetisch verhalten; es wäre 
ein sehr unnöthiges Bemühen, wenn ich darüber noch viele 
Worte verlieren wollte. Wenn ich eine Kirsche betrachte, 
so verschmilzt die angenehm gerundete, schwellende Form 
in meinem Bewufstsein mit der wohlthuenden Farbenwirkung 
zu einem ästhetischen Genufs. Hier ist sowohl die Wir¬ 
kung der Form als die der Farbe noch von so einfacher 
Art, dafs ich sie zusammen geniefsen kann, ohne dafs 
eines dem andern Eintrag thun würde. Der Blick¬ 
punkt der Apperception ist kein mathematischer Punkt, 
sondern er ist grofs genug, um diese beiden Eindrücke zu 
umspannen. Wie verhält es sich aber, wenn ich mich zu 
Gegenständen wende, die nach Form und Farbe reicher 
gegliedert sind? Offenbar wird, wenn sich Form und Farbe
        

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