Bauhaus-Universität Weimar

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Die künstlerische Nachahmung. 
vor dem Naturvorbilde. Es handelt sich da nicht um einen 
schwächeren Abklatsch der Natur, wobei die ganze Mannich- 
faltigkeit des Objectes doch nicht erreicht werden könnte, 
sondern es handelt sich um die Wiedergabe eines inneren 
Bildes. Da nun der Laie nicht entfernt die Fähigkeit haben 
wird, den ästhetischen Schein so rein und vollkommen von 
der Wirklichkeit abzulösen wie der Künstler *), so erscheint 
dem Laien das nachahmende Kunstwerk als etwas 
seiner eigenen NaturanschauungweitUeberlegenes. 
Es scheint ihm zuzurufen : so mufst du die Dinge anschauen, 
wenn du einen vollendeten ästhetischen Genufs haben willst! 
Du kannst dich immer noch nicht recht auf die Ablösung 
des Scheines concentriren ; hier schau* her und lerne vom 
Künstler, wie man die Natur betrachten mufs! — Und man 
’lernt in der That erst vom Künstler; das Verständnifs des 
Kunstschönen ist historisch dem ästhetischen Genufs der 
Natur vorangegangen. 
So sehr hat Deutinger Recht, wenn er sagt, die Kunst 
müsse das Verborgene hervorbringen; so sehr hat er Un¬ 
recht, wenn er meint, die künstlerische Nachahmung der Natur 
thue dies nicht! Denn der nachahmende Künstler bringt 
gerade das Verborgene hervor, nämlich den in den geheim- 
nifsvollen Tiefen des subjectiven Bewufstseins entstandenen 
ästhetischen Schein. Wenn dem nicht so wäre, so könnte er 
*) Denn dieser kann sich aus Anlage und Hebung mehr auf 
die Einbildung des Scheines concentriren.
        

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