Bauhaus-Universität Weimar

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Die künstlerische Nachahmung. 
werden, jedoch ästhetisch, Gegenstand der Kunst kann 
es sein. Aller Irrthum aber, in dem ein Funke von Wahr¬ 
heit glimmt, ist es werth, befolgt und ausgelebt zu werden, 
damit sich das Wahre und Echte von dem Falschen sondern 
kann. Die Kunst, die nur dem Hohenpriesterdienste des 
Schönen geweiht ist, verliert auf ihren reinen Höhen leicht 
die Berührung mit der wechselnden und lebensvollen 
Realität, sie wird leicht abstract und leer. Sie mufs, wie 
die stygischen Schatten, erst von dem warmen Blute der 
Wirklichkeit trinken, um wieder reden zu lernen. Darum 
ist es nicht zu beklagen, wenn sie einmal gänzlich dem 
Reiche des Schönen entflieht und hinabsteigt in all die 
Häfslichkeit, den Schmutz und die Qual der Erde. Auf die 
Dauer kann sie das edle Gut der Schönheit doch nicht ent¬ 
behren, für immer kann es ihr in dem Staub und Qualm 
nicht wohl sein, einmal mufs sie wieder ergriffen werden 
von dem Heimweh nach der heiteren Klarheit des Schönen. 
Dann wird sie voll frischen Lebens, gekräftigt und gestählt 
durch die Wirklichkeit wieder emporsteigen können, um 
neue, unvergängliche Kränze im Reiche der Schönheit zu 
erringen. 
Ich komme von hier aus gleich zu einer zweiten wichtigen 
Frage; die Künstler, welche sich von der Beschränkung auf 
das Schöne befreien, suchen meistens die Wirklichkeit ein¬ 
fach wiederzugeben, wie sie ist; sie betonen also die ge-
        

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