Bauhaus-Universität Weimar

Der ästhetische Schein. 
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nur so lange, als sie die gehorsamen Diener sind, die 
durch ihre Gegenwart den Glanz des Herrschers er¬ 
höhen. 
Nun möge eine Aenderung eintreten. Derselbe Mann 
steht wieder vor mir. Aber ich bin durch die Beleuchtung 
oder durch die innere Stimmung in andrer Weise beein- 
flufst; es ist diesmal das Farbige der ganzen Erscheinung, 
worauf sich meine Aufmerksamkeit wendet. Sofort beginnt 
ein ganz anderes inneres Bild in mir zu entstehen, die 
Qualität des Scheines verändert sich vollständig, es fallen 
mir jetzt ganz andere Theile der Erscheinung dominirend 
in's Auge. Wie eigenartig hebt sich von den schwarzen 
Haaren die klare Stirn, von dieser wieder das dunkle Auge 
ab! Wie herrlich schimmert unter der gebräunten Wange 
das frische Roth des Blutes durch! Und das Gewand! 
Vorhin wurde mir das Kleid nur insofern deutlich bewufst, 
als ich aus seinen Falten die Formen des Körpers errathen 
konnte; jetzt fesselt mich die Uebereinstimmung und der 
Contrast seiner Farben, jetzt ist es die Form, die «zur 
dienenden Stellung herabsinkt und nur noch den Träger 
der farbigen Erscheinung bildet. Solange die Form den 
Gipfel meines Bewufstseins einnahm, solange hatte der 
ästhetische Eindruck etwas streng in sich Geschlossenes. 
Denn die Form zieht eine scharfe Grenze; was aufserhalb 
derselben liegt, ist ohne directe Beziehung auf den Anblick 
der körperlichen Gestalt. Daher gibt die Vorherrschaft der 
Körperform dem inneren Bilde etwas Stilles, in sieh Ge¬ 
sammeltes, sozusagen Einsames. Und nun, welch ein 
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