Bauhaus-Universität Weimar

Der ästhetische Schein. 
Bl 
Nachdem ich so einen Blick in die verborgene Werk¬ 
statt der menschlichen Subjectivität geworfen und die Thätig- 
keit derselben in Hinsicht auf den Inhalt und die Bezie¬ 
hungen der Vorstellungen kennen gelernt habe, stehe ich 
nun vor der Frage: Wohin gehört der ästhetische Ein¬ 
druck? Gehört er vorwiegend der Sinnlichkeit, oder speciell 
dem Verstand an, oder ist sein eigentlicher Sitz der Schein, 
das innere Bild? 
Ich nehme einmal an, dafs ein Mann vor mir steht, den 
ich ästhetisch betrachte. Um die reine Sinnesempfin¬ 
dung handelt es sich dabei nicht: denn ich habe in der 
ästhetischen Betrachtung nicht nur ein verworrenes Be- 
wufstsein dessen, was mir die Sehnerven vermitteln, sondern 
ich weifs auch, dafs dieses Etwas ein Mann ist, dafs dieser 
Mann ein kräftiger Mann ist, dafs sein Gesicht eine stolze 
Seele verräth u. s. w. — Um reine Verstandesthätig- 
keit handelt es sich auch nicht: denn die Beziehungen 
seiner Musculatur zu der Vorstellung der Kraft, seines 
stimmt in wesentlichen Punkten mit Wundts Lehre von der 
Apperception überein. Als besonders bedeutsam führe ich folgenden 
Satz an: „In dem Mafse als die ursprünglichen Elemente 
einer durch apperceptive Verschmelzung entstandenen Vorstellung 
verloren gehen, pflegen sich zugleich Beziehungen dieser 
Vorstellungen zu andern auf ähnliche Weise entstandenen Vor¬ 
stellungen zu bilden“. Physiologische Psychologie. II 386. Vgl. 
ebd. 365 f., 236.
        

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