Bauhaus-Universität Weimar

Das Tragische. 
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Die interessante Person wird also bei der höchsten 
Tragik zur erhabenen Person. Damit ist zugleich ein zweites 
gefordert, nämlich die Erhabenheit der feindlichen Macht, 
durch welche der tragische Held gestürzt wird. Die rein 
psychologische Begründung dieses Verhältnisses findet ihren 
klarsten und schärfsten Ausdruck in der gerade an psycho¬ 
logischen Feinheiten reichen Aesthetik von Lemcke. „Es 
mufs eine höhere Macht sein“, heifst es dort, „die den Sturz 
des Erhabenen bewirkt. Sie darf nicht kleiner, sie darf nicht 
gleich sein. Wäre sie kleiner, so könnte das Erhabene nur 
durch einen sogenannten Zufall unterliegen, und wir würden 
dabei das Gefühl der Disharmonie empfinden, was mit dem 
Zufall — der uns keine Ursache bei einer Wirkung gewahren 
läfst — unzertrennlich ist. Sind die Kräfte in dem Erhabenen 
und dem Sturzbewirkenden gleich, so wird durch die Gleich¬ 
heit, namentlich wenn sie als Gleichartigkeit auftritt, das 
Erhabene gedrückt“*). Es mufs also eine gröfsere, ge¬ 
waltigere Macht sein, durch die der Held gestürzt wird. Ist 
es denn aber nothwendig, dafs diese Macht auch ein Er¬ 
habenes sei? Auf den ersten Blick leuchtet eine solche 
Nothwendigkeit nicht ein. Kirchmann sagt zwar : „nach der 
Natur des Erhabenen kann dieser Kampf nur mit einem 
andern Erhabenen geführt werden“ **). Aber die dem Er¬ 
habenen überlegene Macht ist doch nicht ohne Weiteres 
*) Lemcke, „Populäre Aesthetik“, S. 85. 
**) Kirchmann, „Aesthetik“, II, 31.
        

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