Bauhaus-Universität Weimar

Das Erhabene. 
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so wird man zugestehen müssen, dafs eine gröfsere oder 
geringere Depression beim Anblick des Erhabenen unver¬ 
meidlich sein mufs. Dagegen behauptet Fechner, es gebe 
auch Beispiele des Erhabenen, bei denen eine solche De¬ 
pression durch die Furchtbarkeit des Gegenstandes gänzlich 
ausgeschlossen sei. „Auch fehlt es ja“, sagt er, „der Natur 
wie Kunst nicht an Beispielen, bei denen die zur Erhaben¬ 
heit erforderliche Gröfse oder Stärke des Eindruckes ganz 
unabhängig von Furchtbarkeit zu Stande kommt, und man 
einen Hinterhalt von Unlust überhaupt nur einer Theorie 
zu Liebe hineintragen, aber mit aller Vertiefung eines un¬ 
befangenen Blickes nicht darin finden kann. Das Aufsteigen 
der Sonne am Morgen oder des Vollmondes Abends über 
den Horizont, ein sternenheller Nachthimmel, der über 
Wolken gespannte Regenbogen, ein sanftbewegtes blaues 
Meer mit vielen Schiffen, ein gothischer Dom gewähren 
solche Beispiele, wobei sich die Seele mit reiner Lust aus¬ 
weitet und über die Kleinlichkeit und Zerstückelung der ge¬ 
wöhnlichen Eindrücke erhebt“ *). 
Nach meiner Meinung ist Fechner hier nicht im Rechte. 
Ich gebe zu, dafs der Ausdruck „Furchtbarkeit“ in manchen 
Fällen etwas zu stark erscheinen mag; aber etwas der 
Furchtbarkeit Analoges findet sich bei dem wahrhaft Er¬ 
habenen doch immer, eine Depression ist stets vorhanden, 
und sei es auch nur eine leise Einschüchterung, die durch 
*) Fechner, „Vorschule der Aesthetik“, II. 175.
        

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