Bauhaus-Universität Weimar

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Das Erhabene. 
pfinden einen Augenblick unsere Ohnmacht, ja es kann uns 
Vorkommen, als verlören wir uns in einem Abgrund*) — 
auf einmal entsteht eine Reaction, wir erheben uns aus dem 
bedrückenden Gefühl und beginnen das Gewaltige mit einer 
ernsten Lust zu betrachten. Vischer hat das glücklichste 
Beispiel für diesen seelischen Umschwung gefunden, wenn 
er auf die Worte des Faust hinweist, der nach der erhabenen 
Erscheinung des Erdgeistes ausruft : 
„In jenem sefgen Augenblicke 
Ich fühlte mich so klein — so grofs!"*) 
Wie ist nun dieser Vorgang zu erklären? Was zunächst 
die Depression beim Anblick des Gewaltigen betrifft, so 
ist vor allem zu fragen, ob sie zum Zustandekommen des 
erhabenen Eindrucks überhaupt nothwendig ist. Nach Burke 
mufs diese Frage ohne weiteres bejaht werden, da er als 
ein wesentliches Moment alles Erhabenen die Furchtbar¬ 
keit fordert ; „Whatever", sagt er, „is fitted in any sort to 
excite the ideas of pain and danger, that is to say, whatever 
is in any sort terrible, or is conversant about terrible ob¬ 
jects, or operates in a manner analogous to terror, is a 
source of the sublime". „Indeed terror is in all cases 
whatsoever, either more openly or latently, the ruling 
principle of the sublime"***). Wenn dies richtig ist, 
*) Kant, „Kritik der Urtheilskraft“ (Kehrbach) S. 112. 
**) Vischer, „Aesthetik" § 140. 
***) Burke, „A philosophical inquiry into the origin of our ideas 
of the sublime and beautiful". Part. I., Sect. VIL, Part. IL, Sect. II.
        

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