Bauhaus-Universität Weimar

Das Erhabene. 
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überlegen vorzustellen brauche, um sie zu fürchten, so 
wenig bedarf ich der Idee des Unendlichen, um dieselbe 
Kraft erhaben zu finden. 
Man könnte in Folge dessen auf den Gedanken kommen, 
zwischen einem Erhabenen im weiteren Sinne und einem 
Erhabenen im engeren Sinne zu unterscheiden, und Hart¬ 
mann hat diesen Gedanken in der That ausgeführt. Im 
weiteren Sinne erhaben wäre dann das Gewaltige, das sich 
doch noch unzweifelhaft als etwas Mefsbares zeigt, im en¬ 
geren Sinne erhaben alles, was wirklich geeignet ist, die 
Idee des Unendlichen lebhaft anzuregen; bei jenem würde 
die Unendlichkeit höchstens eine untergeordnete, bei diesem 
die herrschende Rolle spielen. Gerade bei einer solchen 
Unterscheidung erkennt man aber, wie wenig in der Aesthetik 
mit dem Unendlichen anzufangen ist. Schon wenn man sich 
nach Beispielen für das Erhabene im engeren Sinne um¬ 
sieht, also für dasjenige Erhabene, welches wirklich die 
Idee des Unendlichen mit sich führt, findet man, dafs es 
nur wenige solche Beispiele gibt. Denn im Reiche des Hör¬ 
baren ist von einem Unendlichen gar keine Rede, da einer¬ 
seits die Intensität der Töne unerträglich wird, sowie sie 
über eine gewisse Grenze hinausgeht, und da andererseits 
unendlich lang anhaltende Töne nichts weniger als erhaben, 
sondern nur unendlich langweilig wären. Und im Reiche 
des Sichtbaren finden sich dafür nur drei Beispiele, nämlich 
das Meer, die grofse Ebene, die subjectiv die Idee des Un¬ 
endlichen erwecken, und der Himmel, den wir für objectiv
        

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