Bauhaus-Universität Weimar

Das Erhabene. 
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treten. Denn das Unendliche bildet als eine Negation der 
vergänglichen und beschränkten Erscheinungswelt eine 
Haupteigenschaft alles über der Erscheinung stehenden ab¬ 
soluten Seins; das Absolute, die Idee, die Weltseele, Gott, 
oder wie der metaphysische Urgrund alles Seienden ge¬ 
nannt werden mag, ist immer gern als etwas Unendliches 
gedacht worden. Wenn daher der erhabene Gegenstand 
die Idee des Unendlichen in dem Betrachter erzeugt, so ist 
dies für die speculative Aesthetik ein willkommener Anlafs, 
um die Wirkung des Erhabenen auf metaphysische Gründe 
znrückzuführen. So ist nach Schelling und Jean Paul der 
äufsere Gegenstand nur das Symbol, das Zeichen des Un¬ 
endlichen. Nach Hegel ist das Erhabene der Versuch, das 
Unendliche auszudrücken, ohne in dem Bereiche der Er¬ 
scheinungen einen Gegenstand zu finden, welcher sich für 
diese Darstellung passend erwiese. Und nach Vischer ist 
der erhabene Gegenstand wohl grofs im Vergleich zu an¬ 
deren Gegenständen, aber die eigentliche Erhabenheit be¬ 
steht doch erst darin, dafs auch dieser gewaltige Gegen¬ 
stand gegen die Unendlichkeit der „Idee" verschwindet. 
Einer solchen einseitigen Betonung des Unendlichen 
gegenüber läfst sich nun gleich von vorneherein Mancherlei 
einwenden. Vor allem gibt es ganz unzweifelhaft eine 
Menge von Erscheinungen, die einen wahrhaft erhabenen 
Eindruck hervorbringen, ohne dafs dabei die Idee des Un¬ 
endlichen eine irgendwie hervorragende Rolle spielte. Ein 
gothischer Thurm von 150 Fufs Höhe wirkt noch nicht er¬ 
haben, sondern gerade im Gegentheil eher zierlich und an-
        

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